Wir alle fahren Auto


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Abgeschickt von Axel Siekmann am 18 Maerz, 2004 um 08:27:13

Hallo zusammen,

bei den Veranstaltungen gegen die A39 hören wir manchmal das Argument "Ihr fahrt doch auch Auto.". Meine Antwort darauf ist dann immer "Deshalb habe ich auch eine Strasse vor der Tür."
Wie meine Antwort zeigt, wird bei dem Argument, dass wir doch alle Auto fahren, die Verhältnismässigkeit völlig ausser acht gelassen. Wo Menschen leben, verbrauchen sie Landschaft und Natur. Zum Leben in Deutschland gehören u.a.:

- Wohngebiete
- Gewerbeflächen
- Kraftwerke
- Kläranlagen
- Landwirtschaftliche Flächen
und halt auch Verkehrsflächen

Wenn ich das eingangs genannte Argument auf die anderen Bereiche übertrage, würde dies die folgenden Schlussfolgerungen bedeuten:

- Weil wir alle in Gebäuden leben, können wir auch die restlichen Flächen Deutschlands mit Gebäuden zersiedeln und benötigen keine Siedlungsstruktur mehr. Es gäbe dann keine Dörfer und Städte mehr sondern die Metropolis "Deutschland".
- Weil wir alle Arbeit benötigen, können auch in Waldgebieten Fabriken gebaut werden
- Weil wir alle Strom brauchen, sollte jeder Ort sein eigenes Kraftwerk haben
- Weil wir alle menschliche Bedürfnisse haben, sollte jedes Wohngebiet seine Kläranlage haben
- Weil wir alle Essen, darf der Wald der Landwirtschaft geopfert werden

Wenn man sich nun bei Strassenbauprojekten nicht einschränkt, mit welchem Recht darf man dies dann bei den anderen Lebensbereichen tun? Hier gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung. Das Ergebnis dieser Philosophie ist ein zubetoniertes zersiedeltes Deutschland ohne eine einzige zusammenhängende Naturfläche.
Um die Flächennutzung für die diversen Interessengruppen abzustimmen (die Fläche in Deutschland ist endlich), gibt es das Raumordnungsprogramm. Hierin wird festgelegt, welche Bestimmung einer Fläche in Deutschland zufallen soll. Ist sie ein Siedlungsgebiet, ein Gewerbegebiet, ein Flughafen, ein Erholungsgebiet, ein Naturschutzgebiet?
Zu der Ausgangsfrage: Wir fahren alle Auto? Ja. Deshalb ist jedes Wohnhaus in Deutschland an das Strassenverkehrsnetz angeschlossen. Wozu brauchen wir aber eine Autobahn? Bringt Sie der Region wirklich einen nennenswerten Vorteil? Muss jedes Dorf an eine 4-spurige Strasse angeschlossen werden? Findet sie unter Berücksichtigung ALLER Interessen überhaupt noch einen Platz in der Region, ohne andere Raumordnungsobjekte über Gebühr zu beeinträchtigen? Meine persönliche Antwort hierzu lautet: Nein! Ein Autobahnbau in dieser Region würde mehr Lebensraum zerstören als sie der Region nützt. Sie ist ähnlich überflüssig wie ein Flughafen Lüneburg, ein Kernkraftwerk Adendorf oder ein Stahlwerk Gellersen.
Wenn Herr Wulff von einem weissen Fleck auf der Autobahnkarte Deutschlands spricht, sollte er erst einmal seine Mitbürger befragen, ob sie mit diesem Fleck ein Problem haben oder ob sie gerade wegen der Einzigartigkeit dieses weissen Fleckes hier siedeln. Hat er aber nicht. Stattdessen wurden singuläre Interessengruppen befragt.
Was aber tut Herr Wulff, wenn man feststellt, dass Hannover ein weisser Fleck auf das Karte der Naturschutzgebiete ist und viel zu viele Autobahnen besitzt? Dann müsste man einige Autobahnen abreissen und diese renaturieren. Ich habe einen günstigeren Vorschlag: Hannover behält seine Autobahnen und wir unsere Natur. Dem mündigen Bürger bleibt es dann überlassen, wo er siedeln möchte. Und wenn sich jemand in der Nähe einer Autobahnen niederlassen möchte, dann gibt es entlang der bestehenden Trassen bestimmt genügend Wohnraum.

Viele Grüsse
Axel


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