Abgeschickt von B.A.Busch am 04 Februar, 2005 um 11:31:53:
Antwort auf: Re: Der Landkreis Uelzen. von Leif am 21 Januar, 2005 um 13:22:40:
Autobahn = Arbeit = Familienfreundlichkeit ???
Eine klassische Gleichung mit drei Unbekannten!
Wer mag beurteilen, ob eine Autobahn auch den Effekt mit sich birgt, die Wirtschaft einer Region zu stärken? Es gibt sicherlich unzählige Studien, welche das Pro und Contra einer Autobahn bezüglich Wirtschaft und Arbeitsmarkt als Ergebnis liefern. Leider hat sich noch keine mit der direkt betroffenen Region um die geplante A-39 beschäftigt.
Dennoch beruht der Bewertung des Schmitd’schen Familienatlas auf 5 „thematischen Bereichen“: Demografie, Betreuungsinfrastruktur, Bildung & Arbeitsmarkt, Familie & Beruf sowie Sicherheit und Wohlstand.
Die aufgebrachte Diskussion über den Familienatlas in Bezug auf den Landkreis Uelzen reizt mich, einen alten Beitrag von mir wieder aufzugreifen. Ich möchte ein konkretes Beispiel aus der direkten Umgebung anführen:
Warum wurde eigentlich nicht die bestehende B4 bis zum Maschener Kreuz (A7) zugunsten der A-250 ausgebaut? Heute sehe ich entlang der A-250 neu entstandene Betriebe und Unternehmen, welche im übrigen ja auch Arbeitskräfte benötigen.
Beispiel 1 – Winsen:
- Fertigstellung der Autobahn bis einschließlich Winsen OST: 1991
- Einwohnerentwicklung der Stadt Winsen: 1992 ca. 25.000; 2000 ca. 32.000; Prognose 2010 ca. 37.000
- Die Arbeitslosenquote betrug im Januar 2001 6,9 %
- Insgesamt leben 13.000 erwerbsfähige Personen im Stadtgebiet. Der Auspendlerüberschuss beträgt 2650 Personen.
- Gewerbeanmeldungen Stand Januar2004 : 2627
- Gewerbegebiet Boschstraße wurde Anfang der 90 er Jahre entwickelt: 14 Unternehmen
- Gewerbegebiet Osterwiesen wurde in den 70er Jahren erschlossene und mit 37 Hektar Fläche größte Gewerbegebiet Winsens: 65 Unternehmen
- Gewerbegebiet Winsen-Ost wurde Anfang der 90 er Jahre entwickelt und beträgt 33 Hektar:
- Gewerbegebiet Torfmoor seit den 50er Jahren an der damaligen einzigen Ost-West-Verbindung, der Bundesstraße 4 mit 11,8 Ha: 20 Betriebe
- Neues Gewerbegebiet in Planung (gegenüber Gewerbepark Winsen-Ost) ca. 100ha
Beispiel 2 – Uelzen:
- Keine Autobahn!
- Einwohner der Stadt Uelzen 37.000; Prognose 2008: 34.800
- Die Arbeitslosenquote in Uelzen betrug im Juni 2004 10,1%. Damit liegt er über dem Landesdurchschnitt Niedersachsen von 9,1%.
- Pendler insgesamt (Ein- und Auspendler): 7200
- Anzahl der Betriebe: ca. 950 (Anzahl der Klein- und Mittelständischen Betriebe: 463)
- Industrieansiedlung 1980 – 2003, vergebene Flächen: 130 ha
- darauf entstandene neue Gewerbe- und Industriebetriebsstätten: 65
- davon Neuansiedlungen: 35
- Umsatzentwicklung für den Elbe-Seiten-Kanal im Hafen Uelzen: 2001 – 270.000 t; 2003 – 190.000 t
Ein einfacher Vergleich der Arbeitslosenquote, der Flächen für Industriegebiete, der Gewerbeanmeldungen oder auch der Pendlerzahlen legt die offenbare Strukturschwäche der Region Uelzen da. Macht man sich nun noch die Mühe und schaut sich die wirtschaftliche Entwicklung der beiden Regionen seit 1990 an, muss man zu dem Schluss kommen, das die A250 für Winsen einen stark positiven Einfluss besitzt. Sicherlich ist eine Autobahn kein wirtschaftliches Allheilmittel, bietet aber zur Verbesserung der Verkehrsstruktur einen weitaus höheren Nutzen für die lokale Wirtschaft als z.B. eine heute schon bestehende Bundesstraße nach Uelzen. Trotz der guten Wirtschaft in Winsen haben Arbeitnehmer durch die A250 ein weit größeres Einflussgebiet für ihre Jobsuche. Ist die vergleichbar geringere Arbeitslosenquote in Winsen etwa auch ein möglicher Vorteil der Autobahn?
Ein letztes Beispiel:
An der Fachhochschule Erfurt haben Wissenschaftler die Auswirkungen des Fernstraßenbaus auf die wirtschaftliche Entwicklung entlang der A 71 (Route Y) untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass die Gewerbegebiete entlang von Autobahnen besser ausgenutzt werden, als in den umliegenden Regionen.
Es geht auch nicht unbedingt im die Neuansiedlung von Wirtschaftsbetrieben. Gerade in der heutigen Zeit bewirkt eine Autobahn (wieder laut Studie der Fachhochschule Erfurt), dass vielmehr Unternehmen bereit sind den Standort zu halten oder sich gar zu erweitern.
Einen interessanten Effekt hatte die A71 übrigens auf den Standort Ilmenau und Ihrer Technischen Universität. Zum einen wurde sie als gut angebundener Studienort für mehr und mehr Studenten attraktiver und zum anderen entstanden nahe der erstarkten TU Ilmenau viele Unternehmensgründungen im High-Tech-Bereich.
Wie ich finde, recht anschauliche Beispiele aus unserer direkten und lokalen Region sowie anderen Bereits fortgeschritteneren Regionen. Die Realität sagt mehr als alle Studien und Untersuchungen.
Es mag sich doch bitte jeder selbst ein Bild von meinen Beispielen machen und seine Meinung daraus ableiten. Ob jedoch nun Winsen oder Uelzen Familienfreundlicher sind, dass kann nur jede Familie für sich selbst entscheiden, oder aber die schlaue Frau Schmidt.
Gruß
B.A.Busch