Abgeschickt von Carsten Jaeger am 08 Maerz, 2004 um 12:03:56
„Wir brauchen eine Initiative für die Autobahn, nicht jeden Tag neue Verweigerungsgründe und Bedenkenträger“ (EJZ 8.3.04) und: „Jeder schiebt die Trasse in den Vorgarten des anderen,“ (LZ 2.3.04) behauptet MdB Grill in der örtlichen Presse. Das hätte er wohl gern, dass die Gemeinden (oder auch Bürgerinitiativen) nur Argumente für das Trassenauswahlverfahren liefern und sich gegenseitig neutralisieren lassen. Ein solches Kalkül wird nicht aufgehen, weil längst das ganze A 39-Projekt in Frage steht.
Wenn es z.B. stimmt, dass...
- die A 39 selbst in der vom Bund in Auftrag gegebenen Verkehrsuntersuchung Nord-Ost (VUNO 95) aus mehreren Gründen verworfen wurde (besser: zügige Bundesstraßen mit Ortsumgehungen z.B. in Melbeck),
- die A 39 vor allem dank der IHK Lüneburg-Braunschweig (in der offenbar Speditionsunternehmer und VW-Manager den Ton angeben) und ihrer langjährigen Lobbyarbeit in den Verkehrswegeplan der Bundesregierung als dringend aufgenommen wurde,
- die A14/A 39 selbst im Bundesverkehrswegeplan mit der Projektbeurteilung „sehr hohes Umweltrisiko“ eingestuft wurde,
- die Verkehrsprognosen darin für den PKW- und vor allem den LKW-Verkehr (bis 2015 rund 64% plus!) äußerst fragwürdig sind,
- besonders beim „Straßengüterfernverkehr“ ein Transportzuwachs von angeblich 80,2% bis 2015 zu erwarten ist – obwohl sich gerade hier mehr moderner „kombinierter Güterverkehr“ (Strasse und Bahn bzw. Binnenschifffahrt) anbieten würde,
- der Marktanteil der Schiene am Güterverkehr bis zum Jahr 2003 bereits auf nur noch rund 14 % abgesunken ist und der Verkehrswegeplan dem nicht entgegensteuert,
...dann wird gerade das teure A 39-Projekt immer unglaubwürdiger.
Die IHK hat in ihrem Beschluss zur A 39 diese ganz offen als „Lückenschluss auf der europäischen Magistrale von Süd-Ost-Europa nach Skandinavien“ bezeichnet, mit der „vor allem (!) auch der Wirtschaftsstandort Wolfsburg mit VW als dem größten Automobilhersteller Europas endlich die notwendigen verkehrlichen Anbindungen nach Norden erhält.“ Das bedeutet für unsere gesamte Region vor allem mehr Durchgangsverkehr (auch umgeleitet von der A7), mehr Lärm und Abgase, Landschaftsverbrauch usw. Warum eigentlich setzen sich VW und IHK nicht längst lautstark für einen Ausbau der Bahnstrecke Wolfsburg-Uelzen und ein drittes Gleis nach Hamburg ein, wenn die Verbindung nach Norden von so „existenzieller Bedeutung“ ist?
Ich würde mir wünschen, dass u.a. die Gemeinden in- und außerhalb des formalen Planungsverfahrens stärker darauf hinweisen, dass es einen „konfliktarmen“ Trassenverlauf weder hier noch dort gibt. Und dem Kreistag wünsche ich den Mut, noch bis zum Sommer (bzw. rechtzeitig vor der Beschlussfassung des Bundestages) sein Votum für die A 39 zu überdenken, und sei es nur, weil dieses Projekt in der Bevölkerung derzeit nicht vermittelbar und politisch nicht mehr durchsetzbar ist.