Abgeschickt von Martin Wagener am 29 April, 2004 um 16:13:39:
Antwort auf: Re: Arbeitskosten von Uwe Neumann am 29 April, 2004 um 07:55:45:
Die Arbeitskosten zeigen uns im Wesentlichen ein bekanntes Problem auf: Arbeit ist in Deutschland zu teuer geworden.
Allerdings würde dieser Tatsache aus volkswirtschaftlicher Betrachtungsweise kaum so ein starkes Gewicht beigemessen werden, wenn die Produktivität höher wäre. In einer Volkswirt-schaft korrelieren nicht in erster Linie Lohnkosten mit Aufträgen. Vielmehr wird insbesonde-re in kapitalintensiven Betrieben die Produktivität als Gegengewicht zu den Löhnen gesehen. Und dort hat Deutschland (noch) einen Vorsprung gegenüber den Beitrittsländern zur EU.
Es ist aber leicht absehbar, dass die Lohnkosten auch in den Beitrittsländern stark steigen werden - auch wenn dort durch die Einführung einer Flat Tax zumeist gegengesteuert wurde. Alleine die Tatsache, dass der Faktor Arbeit in den Beitrittsländern sich durch neue Firmen-ansiedlungen erniedrigen wird, hat zur Folge, dass dieser sich gleichzeitig verteuert. Das sind simple volkswirtschaftliche Grundlagen, die sich überall nachlesen lassen.
Natürlich können wir Deutschen uns nicht auf diese Tatsachen verlassen. Das wäre nahezu fatal. Allerdings brauchen wir auch nicht in Panik verfallen. Vielmehr sollten wir unsere ei-gentlichen Errungenschaften wieder stärken:
(1)Deutschland ist ein Land für Ingenieure und Tüftler. Innovationen müssen durch eine For-cierung der Forschungsausgaben gefördert werden.
(2)Die Schule muss wieder mehr fordern, aber auch gleichzeitig fördern. Aus diesem Grunde ist die Rückbesinnung auf das dreigliedrige Schulsystem und einer überflüssigen Orientie-rungsstufe in Niedersachsen zu begrüßen. Es muss wieder mehr Wert auf die Grundlagenfä-cher Mathe, Deutsch, Englisch und die Naturwissenschaften gelegt werden. Durch wirklich-keitsnahe Themen verbunden mit permanenten Tests muss die Leistungsbereitschaft der Schüler erhöht werden. Das Abitur nach 12 Schuljahren und die Einführung des Zentralabi-turs sind aus vorher genannten Gründen richtig.
(3)Die Universitäten müssen in einen stärkeren Wettbewerb treten. Sie brauchen mehr Auto-nomie - d.h. sie sollen selber über Studiengebühren entscheiden und sich ihre Studenten selbst aussuchen können.
(4)Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie müssen stärker gefördert werden. Schon auf Grund der demografischen Entwicklung müssen die Arbeitspotentiale der weiblichen Bürger in Zukunft besser erschlossen werden. Aus diesem Grund muss ein an französischen Verhält-nissen orientiertes Krippen- und Kindergartensystem aufgebaut werden.
(5)Wir brauchen eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Verkrustete Strukturen gilt es mo-dernen Bedürfnissen anzupassen. Der Flächentarifvertrag scheint mir veraltet. Vielmehr soll-ten Unternehmer und Arbeitnehmer vor Ort flexibel über Löhne und Gehälter entscheiden. Der Kündigungsschutz muss gelockert und teilweise durch stärkere Abfindungssysteme er-setzt werden.
(6)Die Sozialversicherungssysteme müssen reformiert werden. Ohne tiefgreifende Einschnit-te wird Deutschland in Zukunft nicht bestehen. Der Staat kann nicht länger für Wohlstandsge-schenke zuständig sein. Aus diesem Grund scheint mir die Einführung einer Sockelrente ver-bunden mit starker eigener Vorsorge unvermeidlich. Im Gesundheitswesen verspricht ein Prä-miensystem das stärkste Gerechtigkeits- und Einsparvolumen sowie die beste medizinische Versorgung.
(7)Das Steuersystem muss in ein dreigliedriges Stufensystem vereinfacht werden. Neidsteu-ern wie eine Vermögenssteuer sind abzulehnen. Leistung gilt es zu belohnen und nicht durch stärkere Steuern zu bestrafen.
(8)Die Verwaltungsreform in Niedersachsen muss konsequent vorangetrieben werden. Hier-durch werden Einspareffekte erzielt, Bürokratie abgebaut und die kommunale Selbstverwal-tung gestärkt. Der Staat muss sich wieder auf seine in der klassischen Volkswirtschaftslehre geforderten „Nachwächtertätigkeit“ zurückziehen. Das Maß aller Dinge ist die Effizienz.
(9)Deutschland braucht eine an den wirtschaftlichen Bedürfnissen orientierte Zuwanderung. Eine Ungehinderte Einwanderung in unsere Sozialsysteme ist strikt abzulehnen. Deutschland muss stärker als bisher in den Wettbewerb um die klügsten Köpfe treten. Dieser ist insbeson-dere an den Universitäten zu verstärken. Internationalität darf nicht nur ein Schlagwort blie-ben, sondern muss konsequent umgesetzt werden.
(10)Vorhandene Infastruktur muss konsequent zu Land, Wasser, Schiene und Luft ausgebaut werden. Das schließt selbstverständlich einen zügigen Bau der A39 mit ein. Unser gutes Stra-ßennetz ist einer unserer wichtigsten Pluspunkte. Doch die Beitrittsländer werden aufholen. Schon aus diesem Grund gilt es den Vorsprung zu halten.