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Leserbrief „Planer blind für Kultur“ |
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vom 16.05.2006
Leserbrief „Planer blind für Kultur“
„Breite Allianz für West-Trasse“, LZ vom 5. Mai
Vor wenigen Jahrzehnten gab es in Lüneburg die grandiose Planung,
eine „Magistrale“ mitten durch die Innenstadt zu schlagen, die
Stadt dem Durchgangsverkehr zu öffnen, um sie damit autogerechter
zu machen. Mitten durch die bedeutenden Predigerhäuser von Sonnin,
Am Sande, durch die Straße Am Berge, durch die Rothehahnstraße,
deren östliche Häuserreihe verschwinden sollte, durch die Häuser
der Lünerstraße und Baumstraße, schließlich zur Reichenbachstraße
sollte diese zerstörerische Achse verlaufen, um den Weg nach
Hamburg zu verbessern. Für diese hirnrissige Idee waren
Fluchtlinienpläne aufgestellt worden, die übrigens erst vor wenigen
Jahren außer Kraft gesetzt wurden. An diese Planung, die von den
damaligen Kommunalpolitikern begrüßt und forciert wurde, fühlte ich
mich erinnert, als die A39-Trasse durch Lüneburg bekannt wurde.
Straßenplaner – das ist eine zur Genüge bekannte Tatsache – sind
blind, sie haben offensichtlich weder Zugang zu Kultur- oder
Naturgütern, weder zur Historie noch zu den menschlichen
Beziehungen, die sie zerschneiden. Sie haben nur die Aufgabe, eine
Trasse zu suchen.
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Doch sie werden von Politikern in Marsch gesetzt, Politiker, denen
man häufig eine ähnliche Blindheit bescheinigen kann. Politiker,
die mit großem Ehrgeiz alles, was die Wirtschaft fordert, sogleich
erfüllen möchten und darüber vergessen, dass sie außerdem noch
Verantwortung auch gegenüber Wählern haben, die plötzlich ihren
Lebensraum durch den unsäglichen Autobahnbau zerstört sehen.
Überall wo die Politik versagt, bilden sich Bürgerinitiativen, und
wir haben erlebt, dass die Dinge sich bewegen lassen, wenn diese
Initiativen nur stark genug sind. Wir sollten die Milliarden für
diesen Autobahnbau in die Bildung stecken, die hat es wirklich
bitter nötig. Vielleicht gäbe es dann in Zukunft Straßenplaner, die
sogar in der Lage wären, den Wert einer alten Stadt oder eines
bedeutenden Klosters einzuschätzen.
Curt Pomp
Unter Ohlingerstr. 7
21335 Lüneburg
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