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Allgemeine Zeitung Uelzen vom 08.04.2006
Leserbriefe, "Nur egoistischer Widerstand?"
Reaktionen zum Thema Autobahn 39:
Landwirte, Erwerbslose, Hausfrauen und Rentner wie ich brauchen keine A
39. Aber was ist mit den Berufstätigen, die immer weitere Entfernungen
zur Arbeitsstelle hinnehmen müssen, und denen, die beruflich mit Pkw oder
Lkw unterwegs sein müssen, sowie den vom Verkehr gepeinigten Anwohnern
zum Beispiel der B 4? Mit welchem Recht können wir denen und den nächsten
Generationen einen vernünftig geplanten Lückenschluss des Autobahnnetzes
zwischen Lüneburg und Wolfsburg verweigern?
Argumente gegen die A 39 wie "Ich will keine Autobahn unter dem
Küchenfenster" oder "die Kinder können dann nicht mehr vor dem Haus
spielen", sind derart unglaubwürdig und zeigen, dass es vielen nicht um
Tatsachen, sondern nur um egoistischen Widerstand "aus dem Bauch" geht.
Diese Äußerungen treffen aber tatsächlich auf die Situation der Anwohner
der B 4 zu, die sicher gerne mit einer abseits gelegenen Autobahn
tauschen würden.
Könnte man nicht auch mal an die Vorteile denken, die bei anderen
Autobahnabschnitten eingetreten sind? Zum Beispiel werden die umliegenden
Bundes- und Landstraßen entlastet und es wird auf den Straßen und in den
Ortschaften ruhiger. Es ist auch unumstritten, dass Autobahnen die
sichersten und schnellsten Straßen sind.
Ich glaube, man sollte es den zukünftigen Anliegern der Autobahn
überlassen darauf zu achten, dass die Autobahn "menschenverträglich"
verlegt wird und ob besondere Maßnahmen wie Lärmschutz,
Geschwindigkeitsbeschränkungen oder ähnliches erforderlich sind. Die
kooperative Mitplanung durch Verbesserungsvorschläge zur Planung bringt
mehr als ein generelles "Nein zur A 39". Auch gute und teure
Rechtsanwälte werden gegen einen gut geplanten Lückenschluss nichts
ausrichten können, es kommt höchstens zu einer Verzögerung und
Verteuerung auf Kosten der Steuerzahler und der Menschen, die die
Autobahn brauchen.
Wie wäre es, die für den Widerstand gesammelten 60 000 Euro der
Kinderkrebshilfe zu spenden? Für diesen guten Zweck würden viele Menschen
noch etwas dazugeben und man könnte stolz sein auf diese Menschen der
Region. Bei der nächsten weiteren Fahrt, zum Beispiel in den Urlaub, auf
irgendeiner Autobahn, empfehle ich den Autobahngegnern darüber
nachzudenken, ob die Autobahnen wirklich eine so schlechte Sache sind,
oder nur hier, wo man selbst zu Hause ist.
Hans-Joachim Bellack, Bienenbüttel
Aus der Traum! Bitterkeit ergreift den Freund Bodenteichs, nicht jedoch
Erstaunen. Denn es war ja vorauszusehen. Zu sehr musste es doch beim
Anblick dieses weithin unbeachteten, nur wenig lokalpolitisch genutzten
und von unseren maßgebenden Politikern auch kaum beherzt verteidigten
Areals den Trassensuchern in den zugriffsbereiten Planungsfingern jucken.
Geblendet von der fixen Vorstellung, dass das Wohlergehen einer Region
vor allem durch die enge Anbindung an das große Schnellstraßennetz
gefördert und verbessert werden kann, und gepackt womöglich von der
abstrusen Idee, dass die so lästigen Mautflüchtlinge sofort reumütig von
unseren Straßen wieder zur Autobahn zurückkehren würden, wenn man ihnen
diese schöne Gelegenheit zum Löhnen nur nahe genug vor die Nase hielte.
Vorbei also der Traum vom bis ins Herz des Kurbades Bodenteich
hineinragenden, gepflegten Naturparadies, dem einzigen Geschenk der
Natur, das diesen Ort als etwas wirklich Besonderes hätte auszeichnen
können. Der eherne Amtmann am Marktplatz sollte lieber nicht mehr auf die
Kirche zeigen, sondern auf den so verletzlichen Schatz "Seewiesen", den
wir Bodenteicher hüten und pflegen sollten. Ich glaube nicht, dass ein
paar Protestfeuerchen und Kleindemos dafür ausreichen. Dafür müsste ganz
Bodenteich wie ein Mann aufstehen.
Und die Beschwichtigung, dass von dem schönen Gelände ja immer noch zwei
intakte Hälften blieben? Dass ein in der Mitte durchgeschnittener
Regenwurm doppelt weiterlebe, ist ein Märchen. Er ist tot. Genau so, wie
es das vom Fernverkehrsgeröhre umbrauste und von Auspuffgasen
umstänkerte, seines letzten Reizes entzauberte Bodenteich demnächst sein
wird.
Edgar Schulz, Bad Bodenteich
Es handelt sich bei Herrn Lukats (Uelzens Bürgermeister, die Red.)
Vorschlag, die A 39 durch einen Tunnel unter Lüneburg hindurchzuführen,
tatsächlich um keinen Aprilscherz. Soweit kommt man aber offenbar, wenn
man die "Nonsensautobahn A 39" gegen alle Realitäten und Raumwiderstände
durchsetzen will, notfalls auch mitten durch Lüneburg.
Lüneburgs CDU und SPD merken erst jetzt durch die direkte Betroffenheit,
dass es keine realisierbare Trasse für die A 39 gibt. Auch Bad Bevensens
Bürgermeister sieht die A 39 jetzt zu dicht an die Kurstadt herangerückt.
Und in Bad Bodenteich werden die Folgen für den Kurort und die Seewiesen
unübersehbar. Da helfen auch keine Beschwörungen, die A 39 doch bitte
nach woanders zu verlegen. Bald steht Herr Lukat mit seinem Lob für die A
39 in der Nähe Uelzens sehr einsam da, von daher rührt wohl auch sein
abstruser Tunnel-Vorschlag.
Wann endlich findet sich ein mutiger und realistischer Politiker, der die
alten A 39-Vorfestlegungen beiseite lässt und eine faire und
sachorientierte Diskussion über die Notwendigkeit der A 39 neu eröffnet?
Herrn Lukat, der ja richtigerweise die Ortsumgehung Kirchweyhe
unterstützt, hätte ich eigentlich zugetraut, sich auch für eine
gleichberechtigte Untersuchung der "Nullvariante" eines Ausbaus der B 4
mit den drei noch fehlenden Ortsumgehungen und der B 71 einzusetzen
Herr Lukat, bitte lassen Sie doch die alte A 39-Ideologie zurück,
orientieren Sie sich strikt an den verkehrs- und wirtschaftspolitischen
Fakten - zugunsten unserer Heimat und einer sinnvollen Verwendung der
knappen öffentlichen Mittel!
Eckehard Niemann, Bienenbüttel
Es stinkt zum Himmel und damit sind nicht nur der zu erwartende Gestank
und die Abgase einer neuen Autobahn, sondern auch das politische Kalkül
diverser Politiker gemeint. Als letzte Woche die vorläufige A 39-Trasse
bekannt gegeben wurde, gab es nicht nur Entsetzen bei den Anwohnern des
Trassenverlaufs, sondern auch große Empörung bei Politikern.
Eine Autobahn direkt durch Lüneburg würde sämtliche Gruppen auf die
Barrikaden bringen und Bodenteich wäre allzu kurzsichtig, wenn es die
wunderschöne Flora und Fauna und wohl auch lukrative EU-Fördergelder im
Falle eines Naturschutzgebietzuschlages auf’s Spiel setzten würde. Dies
kann den Planern nicht entgangen sein. Was also sollen diese lächerlichen
Vorschläge? Klar ist, dass durch eine solche Planung die Diskussion um
die Autobahn auf Teilabschnitte verlagert und der Bau nicht mehr
grundsätzlich in Frage gestellt wird. So können sich später
Bürgerinitiativen auf die Schulter klopfen, dass sie zumindest den
Verlauf in vernünftige Bahnen gelenkt haben und die Politiker können sich
als "Retter der Seewiesen" feiern lassen.
In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und flauer Wirtschaft ist es umso
wichtiger, nicht populistisch flache Lösungen als Allheilmittel zu
verkünden, sondern eine Politik des zukunftsfähigen Wirtschaftens und
Planens zu verteidigen.
Thomas Schulze, Lüneburg
In der Übersichtskarte werden für die A 39 und die B 190n im Raum
Bodenteich 14 Punkte markiert, die lapidar als Bauwerke (Brücken, die
Red.) bezeichnet werden. Man kann wohl von einer kompletten Neugestaltung
des Raumes zwischen Bodenteich/Langenbrügge/Lüder sprechen. Kein Weg wird
mehr so sein, wie er heute ist. Der mögliche Damm für die B 190n würde
nur 500 Meter südlich der Seeparkklinik entlang führen.
Mienhold Eilers, Lüder
14 Brücken rund um Bodenteich "Es stinkt zum Himmel" Tunnel war kein
Aprilscherz
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