wolkenbänder
über fasan rebhuhn und birkhahn
streckt der himmel seine
hände aus
das kollern des federviehs bleibt einsam
die autobahn macht dieses
hintergrundgeräusch
am horizont warten
zur untätigkeit verdammte mühlen
auf bessere zeiten ...
(Sabine Schiffner)
“Natur und ruhige Atmosphäre locken Besucher – erwartete Urlauberzahlen in der Heidmark laufen gegen den bundesweiten Negativ-Trend“
(Artikel-Überschrift in „Wirtschaftskraft Isenhagener Land“, Verlagsbeilage des Isenhagener Kreisblatts)
„Wir haben den Standort Uelzen ausgewählt aufgrund seines großen Potentials an Biomasse, seiner verkehrlichen Anbindung, aufgrund des logistischen Know-hows und der Unterstützung der Landesregierung.“
(Dipl.-Ing. Matthias Rudloff, Unternehmensentwicklung Choren Industries /SunDiesel, in AZ vom 3.4.05)
„Die verkehrliche Anbindung Uelzens ist gut.“
(Grußwort des nds. Ministerpräsidenten Wulff in der AZ-Beilage „Wirtschaftskraft Uelzen“)
„Für uns spielt die A 39 keine Rolle. Unsere Spediteure rechnen nach Entfernung ab, und die kommen auf Landstraßen auch ganz gut zu uns.“
(Hartmut Kögel, Werksleiter Emsland-Food Wittingen, im IK vom 25.05.04)
“Ich würde nichts auf die Hoffnungen auf mehr Gewerbeansiedlung geben.“
(Hermann Butting, Knesebeck, im IK vom 25.05.04)
“Das ist kein großes Thema bei uns.“
(PR-Manager Henning Harfst, Firma Glunz, Nettgau, zur A 39 im IK vom 25.05.2004)
“Ideen für unsere Region – Erfolg und Wachstum auch ohne A 39!“
(aus einer Anzeige der Bohlsener Mühle)
“Als schnell wachsendes, bundesweites Versandhandelsunternehmen beziehen wir hier klare Position gegen die Notwendigkeit des Baus der A 39 zur Belebung der hiesigen Wirtschaft. ...
Es hilft keine „Standortjammerei“, sondern ein kundenorientierter Plan zum Einsatz der immer knapper werdenden Steuermittel. Wir investieren in die Bildung unserer Mitarbeiter aus unserer Region, in frauen- und familienfreundliche Maßnahmen am Arbeitsplatz, in Marktforschung und Motivationskonzepte. Eine zusätzliche Autobahn führt dabei zu keiner Erfolgssteigerung. Obwohl gerade unser Unternehmen in der Ausführung der Kundenwünsche zu fast 100% von LKWs und funktionierender Infrastruktur abhängig ist, halten wir eine weitere Autobahn gerade hier für unsinnig und fordern alle Verantwortlichen auf, zu einem intelligenteren, marktwirtschaftlicheren Kurs umzuschwenken...
Besonders aus der IHK Lüneburg/Wolfsburg wünschen wir uns mehr Weitblick und Kreativität...
Mehr Beton in unserer Region ist kein Zukunftskonzept, sondern eine Verzweiflungstat im Wohlstand erstarrter Köpfe!“
(Gabi und Stefan Deerberg und Mitarbeiter, Fa. Deerberg, Natural Wear, Velgen)
“Bei der Intensität der Gegnerschaft gegen die A 39 wird das mit dem Baubeginn noch lange dauern...“
(Peter Struck, MdB Wahlkreis Uelzen, laut AZ vom 8.2.05)
„Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen NEIN!“
Kurt Tucholsky
„Letzten Endes ist es doch egal unter welcher Regierung die Wirtschaft regiert“
Daniela Dahn
„Das Häßlichste in unserer Landschaft sind die Autostraßen und die Autobahnen, weil sie das Land sezieren und wie ein Krebsgeschwür die Welt überwuchern...“
Friedensreich Hundertwasser, der selbst Bürgerinitiativen und Aktionen gegen unsinnige Großprojekte aktiv unterstützte
„Mit zunehmendem Alter, stelle ich fest, wird Landschaft immer wichtiger, zu etwas Einmaligem, das sich nicht ersetzen lässt.“
Libuse Monikova
„Ich träume fast nichts wie Landschaften und mich darin.“
Gerhart Hauptmann
„Wer kämpft, der kann verlieren. Wer nicht kämpft, der hat schon verloren...“
Volksweisheit
„Abbrechen erfordert oft mehr Mut als Weitermachen.“
Gaston Rebuffat, Alpinist
In der Debatte um die Zukunft des Aufbaus Ost hat sich der neue Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Ulrich Kasparick (SPD), für radikale Änderungen in der Förderpolitik ausgesprochen. Er plädierte dafür, zukünftig weniger Mittel in traditionelle Infrastrukturprojekte wie den Straßenbau zu stecken und das Geld stattdessen in die industrienahe Forschung in ausgewählten Wachstumszentren zu investieren. (...)
...Bei den in einer Demokratie oeffentlich zu verhandelnden Fragen geht es keineswegs nur um Sach- u. Fachfragen. Politische Entscheidungern sind immer auch Wertentscheidungen. Ob eine Autobahn durch ein Naturschutzgebiet gebaut werden soll oder nicht, ist eine Frage, die letztlich nicht von Experten beantwortet werden kann , sondern allein von den Buergern, die sagen müssen, was ihnen wichtiger ist: der freie Fluss des Verkehrs oder eine halbwegs intakte Natur ... Immer kommt es darauf an, wie die Prioritaeten gesetzt werden. welche Interessen sich gegen welche anderen behaupten. Das eigentlich Poliitische bei solchen Entscheidungen ist nicht Sache der Experten, sondern allein des Buergers. Wer Politik auf Verwaltung und Expertise reduziert, hat die Demokratie schon aufgegeben. ... Aber das Argument der Technokraten, bei allen oeffentlich relevanten Fragen seien allein die Experten zustäendig, richtet sich, genau besehen, ... gegen die Demokratie ueberhaupt. Denn wenn nur noch Experten sinnvoll ueber politische Fragen mitreden koennen, wenn es so etwas wie Laienkompetenz in politischen Angelegenheiten nicht mehr gibt, dann haben letztlich Wahlen und und demokratische Mitspracherechte keinen Sinn mehr. Aus der Sicht der Technokraten sind ...die auf demokratische Teilhabe beharrenden Normalbuerger Leute, die sich in Dinge einmischen, die sie nichts angehen.
aus SZ-Magazin vom 11.03.2005, S. 7-10 (Johano Strasser)
„Zehn Kilometer Autobahn kosten 60 Millionen Euro. Für das gleiche Geld kann man ein Fraunhofer-Institut bauen.“ Langfristig werde in der Forschung mehr Wertschöpfung und damit mehr Arbeitsplätze geschaffen. „Wir müssen den begriff Infrastruktur erweitern. Es geht dabei nicht nur um Straßen und Telefonleitungen. Es geht vor allem um Wissen“, sagte Kasparick.
Aus: Institute statt Autobahnen, Berliner Zeitung vom 29.07.2004
„Anstatt sich weiter über Autobahnen oder Eisenbahnlinien zu streiten, muss man den Wissenschafts- und Technologiebereich mit größten Anstrengungen ausbauen.“
Lothar Späth, Im Osten was Neues, Handelsblatt, 29.09.2004
„Nach den Untersuchungen entlang anderer Autobahnen ist nur mit etwa 8 neuen Arbeitsplätzen je Autobahnkilometer zu rechnen“, so Dr. Jansen von der Firma PLANCO bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse der Machbarkeitsstudie zur A4
VCD-Pressemitteilung vom 19.03.1998
Wir fahrn, fahrn, fahrn auf der Autobahn.
„Die Fahrbahn ist ein graues Band,
weißer Streifen, grüner Rand,
jetzt fahren wir durch ein weites Tal,
die Sonne scheint mit Glitzerstrahl,
jetzt schalten wir das Radio an,
aus dem Lautsprecher klingt es dann:
Wir fahrn auf der Autobahn,
wir fahrn auf der Autobahn...“
Kraftwerk, Autobahn (1974)
Lied gegen die A 39 (etwas düster-pessimistisch) aus Sprakensehl
Melodie: Nehmt Abschied, Brüder...
Seid wachsam, Freunde, ungewiß
Ist unser Leben nun,
Die Zukunft liegt in Finsternis
Und lässt uns nicht mehr ruh´n.
Refrain:
Die Hiobsbotschaft Autobahn
Sie zieht durch´s Heideland -
Wer kann nur wünschen diesen Wahn?
Bitte, hebt jetzt nicht die Hand!
Uns fragt man nicht, wer sind wir schon,
Das Leben ist kein Spiel!
Nur wer ein schnelles Auto hat
Und Geld – der kommt ans Ziel!
Refrain:
So ist mit einem Schnellbahnbau
Unser Ende nicht mehr weit,
Erholung und Natur geh´n hin,
Unsere Grundlagen der Zeit...
Refrain: ...
Grün
Neben der Autobahn
fangen im Frühjahr immer
weniger Bäume zu blühen an.
Alle Jahre werden die kranken Bäume
gefällt. In den Ansprachen von den
Politikern sind die Wörter mit
grüner Farbe angestrichen...
(schlagloch)
Schütt
Der Berg hängt
tief über dir,
eine schwarze Furche
durchzieht dich der Länge.
Du hast jetzt eine jenseitige
und eine diesseitige Hälfte.
Die Bächlein haben sie in
Betonröhren eingeleitet,
für den Lärm von der Autobahn
gibt es keine Grenze.
Meine Träume sind auf
der anderen Seite,
ich bin von meinen Träumen getrennt...
(schlagloch)
Kleiner Abgesang auf die Mobilität
Es war kalt in Bogota.
Alle Restaurants hatten Ruhetag
in Mindelheim an der Mindel.
Auf Fidji strömender Regen.
Helsinki war ausgebucht.
In Turin streikte die Müllabfuhr.
Überall Straßensperren
in Bujumbara. Die Stille
über den Dächern von Pecs
war der Panik nahe.
Noch am ehesten auszuhalten
war es unter dem Birnbaum
zu Hause.
Hans Magnus Enzensberger
Das Rastersystem der geraden Linie
ist das Symbol und Symptom
der Selbstzerstörung unserer Gesellschaft.
(Friedensreich Hundertwasser)
Drum die Daumen fest gedrückt...
Ganz unscheinbar und doch bemerkt,
ein Messtrupp durch die Lande fährt.
Quer durch Felder, Wald und Auen,
will er unser Land verb(s)auen.
Wird gefragt nach Zweck und Sinn,
weist man freundlich darauf hin,
dieses Land sei öd und leer,
A39, sie muss her.
Politiker und „Wirtschaftsweise",
schickten deshalb auf die Reise,
Vermessungstrupps, Verkehrsexperten,
die „beste" Strecke auszuwerten.
Bestehendes wird nicht beachtet,
es wird vielmehr danach getrachtet,
sich ein Denkmal zu errichten,
Natur und Umwelt zu vernichten.
Die Autobahn, sie bringt viel Segen,
nur ein paar Esel sind dagegen,
tölpelhaft und uneinsichtig,
erkennen nicht, was wirklich wichtig.
Das bisschen Lebensqualität,
das dabei vor die Hunde geht,
bedeutet keinen Widerspruch,
Die Autobahn, sie ist kein Fluch.
Oh ich armes Menschen Kind,
was bin ich für den Fortschritt blind.
Seh vor der Tür statt Beton pur,
lieber Landschaft und Natur.
Drum die Daumen fest gedrückt,
dass es nun uns allen glückt,
diesen Wahnsinn zu beenden,
und zum Guten es zu wenden.
Die Autobahn, das wissen wir,
brauchen wir nicht wirklich hier.
© Werner Hauschild
Karrieren auf Trampelfaden
Kommst Du politisch nicht voran?
Fehlt´s an Ideen, an Elan?
Hast für den Wahlkreis keinen Plan?
Mein Rat für Dich ist ganz profan:
Vertrau dem Autolobby-Wahn,
schrei laut nach einer Autobahn
- und Deine Arbeit ist getan!
Und ohne Mühe, lieber Mann,
kommst Du politisch dann voran...
(Volksmund)
Stenkelfeld - Die neue Kreis-Autobahn
Nöllken-Böckhoff: [Geräusch eines vorbeifahrenden Autos (im folgenden immer wieder)] Jawoll!
Reporter: Stolze 113 Millionen Mark hat sich die Gemeinde Stenkelfeld das neue Autobahnteilstück zwischen Höcklage und Schöppenwessel kosten lassen. Hier an einer Notrufsäule bei Kilometer 3 stehe ich mit zahlreiche Gemeindevertretern und Herbert Nöllken-Böckhoff, dem Leiter des hiesigen Straßenverkehrsamtes. Herr Nöllken-Böckhoff, was macht nun diese Projekt so kostspielig?
Nöllken-Böckhoff: Ja nun! [Auto] Es handelt sich um eine 4 Kilometer lange, achtspurige Piste mit Überbreite, an der gesamten Strecke Kiesbett und Fangzäune. Der Belag ist aus kaltgepresstem australischen Muschelkalkgranulat mit einer Abschlussdecke aus Tartansplit, wie wir es bisher nur aus dem Formel-1-Rennsport kennen. Durch Aufschüttung konnten wir 5% Gefälle rausholen, mit einer unterirdischen Heizspirale aus 16000 km Silberdraht wird die Fahrbahn im Winter getaut und getrocknet, also, äh, da kann man mal aufn Pinsel treten. [Auto] Sehense!
Reporter: Schon vor diesem Projekt klaffte aber doch im Gemeindehaushalt eine Deckungslücke von 200 Millionen Mark, dazu kommt jetzt diese gewaltige Investition, wie passt das zusammen?
Nöllken-Böckhoff: Nun, äh, wir orientieren uns am Beispiel zahlreicher anderer Kommunen: Eine derartige Verkehrsanbindung bezahlt sich schon kurzfristig von selbst und sicher langfristig Wachstum und Wohlstand für unsere Gemeinde.
Reporter: Ein Optimismus, der sich hier in allen Gesichtern widerspiegelt ...
Nöllken-Böckhoff: Ja, mit Recht! Hier ist Tempo 30 und unsere neue Radarfalle in Form einer Notrufsäule wird von den Autofahrern erfahrungsgemäß gut übersehen. [Auto] Jawoll!
Mit freundlicher Genehmigung von H. Wehmeier kopiert von der CD "Stenkelfeld - Die Letzte".
„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier.“
Mahatma Gandhi
„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt.“
Mahatma Gandhi
„Nur Lebendiges schwimmt gegen den Strom.“
(Volksweisheit)
„Geh nicht die glatten Straßen. Gehe Wege, die noch niemand ging, damit du Spuren hinterlässt und nicht nur Staub.“
(Verfasser unbekannt)