Volksstimme-Interview mit Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre zum Autobahnbau im OhrekreisSicher, es wird Belastungen gebenDie Autobahn 14 wird von Magdeburg aus gen Norden bis Schwerin verlängert. Die Trasse soll im Ohrekreis beispielsweise an Colbitz vorbeiführen. Die Bürgerinitiative Mose/ Lindhorst kämpft gegen das Projekt, fordert zumindest aber ausreichenden Lärmschutz. Tom Koch befragte Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) zum Stand der Dinge. Volksstimme: Herr Minister, Einwohner von Mose haben eine Bürgerinitiative gegründet und machen gegen die A 14 mobil. Zu Recht?
Karl-Heinz Daehre: Es ist das gute Recht eines jeden Betroffenen, sich zu äußern. Auch deshalb hat der Gesetzgeber eine Bürgerbeteiligung im Planfeststellungsverfahren vorgeschrieben. Die Unterlagen für den von Ihnen angesprochenen Abschnitt liegen seit dem 1. September in den Ämtern aus. Am 14. Oktober endet die Frist für private Einwendungen. Mitte November sollen die Hinweise, Bedenken und Kritiken erörtert werden.
Volksstimme: Machen die Initiatoren der Bürgerinitiative bis hin zu Anwälten wegen des Autobahnbaus „auf Panik“ oder nehmen sie nur ihnen zustehende Rechte wahr?
Karl-Heinz Daehre: Ich antworte mal so: Wir nehmen die Einwände selbstverständlich sehr ernst. Genauso muss es aber erlaubt sein, auf etwas Selbstverständliches bei solch’ aufwändigen Vorhaben wie einem Autobahnbau hinzuweisen: In Einzelfällen wird es nicht auszuschließen sein, dass es für die Anwohner Belastungen geben wird.
Volksstimme: Der Streit geht vor allem um Verkehrslärm. Gibt es dazu bereits Untersuchungen?
Daehre: Ja, die Planfeststellungsunterlagen enthalten eine gesonderte schalltechnische Untersuchung. Für den künftigen Autobahnabschnitt von der AnschlussstelleWolmirstedtbis zur Bundesstraße 189 nördlich von Colbitz wurden fünf so genannte schutzbedürftige Nutzungen untersucht: die Einzelbebauung zwischen Mose und dem Abzweig Chausseehaus/ Jacobsheim, Baltzersiedlung, Wohngebiet Lindhorst, das Ferien- und Freizeitzentrum Colbitz und Colbitz selbst.
Volksstimme: Mit welchen Ergebnissen?
Daehre: Wir haben festgestellt, dass nur an zwei Gebäuden im Bereich Chausseehaus/ Jacobsheim sowie an zehn Standorten innerhalb der noch nicht gebauten Ferienhaussiedlung Colbitz ausschließlich die Grenzwerte für die Nacht um Werte überschritten werden, und das in einer Bandbreite von 0, 5 bis 1, 3 Dezibel. Zur notwendigen Verringerung dieser Werte sind der Einbau von Lärmschutzfenstern und so genannter Schalldämmlüfter vorgesehen.
Volksstimme: Was sind Schalldämmlüfter?
Daehre: Das sind Einrichtungen, die der Frischluftzufuhr und dem Luftaustausch in Gebäuden dienen, in denen im Interesse eines wirkungsvollen Lärmschutzes nicht mehr wie gewohnt – also durch das regelmäßige Öffnen der Fenster – gelüftet werden kann. Sie wirken zugleich schalldämmend, weil die luftdurchströmten Kanäle den Schallpegel verringern.
Volksstimme: Herr Minister, Sie sagten gerade die Nacht-Grenzwerte werden an zwei Stellen überschritten. Wie ist es mit den Belastungen aus dem Verkehrslärm am Tage?
Daehre: Die Experten sind zum Ergebnis gekommen, dass an allen Standorten die Tagesimmissionswerte eingehalten werden. Ich weiß, das wird keinen Anwohner der künftigen Autobahn wirklich „trösten“. Tatsache ist, Lärm wird sehr individuell empfunden. Fest steht dabei auch, immer mehr Bürger fühlen sich dadurch belästigt, und dabei nimmt Verkehrslärm durchaus eine herausragende Rolle ein.
Volksstimme: Wie reagieren Sie darauf?
Daehre: Wir sind gut be-Einwände aus dem Ohrekreis sehr ernst“. Foto: Tom Koch
raten, die Planungen für den Autobahnbau so vorzulegen, dass sie auch Klagen vor einem Gericht standhalten. Bei allem verständlichen Zeitdruck, gerade in der Altmark wird die Nordverlängerung der A 14 sehnsüchtig erwartet, es darf in dem Verfahren jetzt nicht auf vier Wochen mehr oder weniger ankommen.
Volksstimme: Herr Daehre, im Ohrekreis wird beim Thema Lärmschutz immer wieder auf den Ausbau der A 2, also auf Helmstedt verwiesen...
Daehre: … ja, ich weiß das selbstverständlich auch. Darum stehe ich auch hinter der Forderung, dass sich die Lärmschutzanforderungen bei der A 14-Nordverlängerung streng nach den gesetzlichen Maßstäben zu richten haben. Darauf haben die Menschen in Sachsen-Anhalt ebenso ein Anrecht wie die in Niedersachsen.
Volksstimme Magdeburg vom 13.10.2005 |