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Die 14 Brücken sind ein technisches Meisterwerk PDF Drucken E-Mail

Mit ihren 324 Kilometern Länge ist die A20 das größte Autobahnbauwerk in Deutschland nach dem Kriege. Die Trasse läuft parallel zur Küste von Lübeck über Wismar, Rostock bis Jarmen, biegt dann nach Südosten nach Neubrandenburg und Prenzlau ab. Grafik: dpa

Die 14 Brücken sind ein technisches Meisterwerk

Nach elf Jahren Bauzeit ist die Ostseeautobahn A 20 jetzt fertig

Von Martina Rathke
Schwerin. Wie ein ausgerollter Teppichstreifen zieht sich die Autobahn 20 durch das Trebeltal. Die 17 Kilometer lange Betonpiste auf der letzten Baustelle der Ostseeautobahn ist seit Mitte November fertig – die Abnahme liegt bereits hinter den Firmen. Jetzt haben nur noch die „Dekorateure“ das Sagen: Straßenmarkierer, Schutzplankenmonteure und Beschilderungsfirmen machen aus dem schwarzen Asphaltband eine richtige Autobahn. Nach elf Jahren Bauzeit wird am 7. Dezember an der Grenze zwischen Vorpommern und Mecklenburg das letzte Stäck der Fernstraße eröffnet.

▓ Geisterfahrer auf Inspektion ▓

Bauingenieur Holger Münch vom Rostocker Ingenieurbüro Dr. Herold AG geht auf Inspektionsfahrt – als Geisterfahrer auf der falschen Fahrbahnseite. „Noch ist das kein Problem“, schmunzelt er. Vorbei geht es am Ibitzgrund, einem Moor. „Auf sieben Meter Tiefe musste hier der Boden ausgetauscht werden, 210 000 Kubikmeter.“ Vorbei geht es auch an Otterschutzzäunen und Blendschutzwänden.

Auch gegen den Bau der A20 formierte sich der Widerstand von Umweltschützern und Bürgerinitiativen. Hier ein Blick auf das Hüttendorf von Autobahngegnern im Landkreis Demmin. Foto: lno
Der 33-Jährige kennt auf dieser Baustelle jeden Meter. Fast sein gesamtes Berufsleben hat er bisher mit dem Bau der Trasse zugebracht. Zuerst kam das Teilstück bei Wismar, später der Abschnitt Rostock-Sanitz und zum Schluss der Abschnitt zwischen Trebeltal und Grimmen. Eventuell geht es auf Rügen mit dem Zubringer weiter. „Aber so richtig Autobahn ist das nicht mehr.“ Nach Angaben der Bundes- Planungsgesellschaft Deges flossen rund 1,9 Milliarden Euro in den Bau der Autobahn mit 320 Über- und Unterfährungsbauwerken – von der Talbrücke bis zum Krötentunnel. Vor allem die 14 Autobahnbrücken mit einer Gesamtlänge von mehr als 8,5 Kilometern gelten als technische Meisterleistung. Volker Kock, Deges-Bereichsleiter für die A20, betreut das Projekt seit den ersten Planungen 1992 bis zum Abschluss.

Es gab aber auch Unterstützer für die Ostseeautobahn: So hielt die Bürgermeisterin der Hansestadt Wismar, Rosemarie Wilcken, ein Dankesschild in die Höhe, als Ende 2004 das Teilstück der A20 zwischen Schönberg in Mecklenburg-Vorpommern und Lübeck in Schleswig-Holstein für den Verkehr freigegeben wurde. Foto: lno

▓ Hoffen auf den Aufschwung ▓

Vor allem der wirtschaftsschwache Osten Mecklenburg-Vorpommerns erhofft sich von der Autobahn ein kleines Wirtschaftswunder. Anfang November hatten die Bauarbeiten für das Gewerbegebiet Pommerndreieck bei Grimmen begonnen. „Die A20 wird den Verkehr in Richtung Osten beschleunigen“, sagt der Greifswalder Wirtschaftsgeograf Helmut Klüter. Während vor allem die A20-nahen Gebiete von der Autobahn profitieren werden, könnten Gebiete im östlichen Uecker-Randow-Kreis und im südlichen Kreis Demmin durch die Konzentration des Verkehrs auf die A20 Nachteile bekommen.

527 Meter ist die Autobahnbrücke der A20 über den Großen Landgraben nördlich von Neubrandenburg lang. Foto: lno

▓ Letzte Hand an die Leitplanken ▓

Inzwischen hat Ingenieur Münch die Schutzplankenmonteure erreicht. Schneegraupel rieselt den Männern ins Gesicht. Trotzdem stampft die Ramme unter den Händen von Ronald Stenzel mit einem Druck von 150 bar die Pfosten für die Planken in den Boden. „800 Meter schaffen wir mit fünf Mitarbeitern am Tag“, erklärt Stenzel, der bei der Römmling Montage GmbH Kavelstorf beschäftigt ist. Die Firma wird weiter von der Autobahn profitieren. „Die Leitplanken müssen gewartet und repariert werden“, erklärt er, während seine Kollegen mit Pressluftbohrern die Planken montieren.

Jetzt haben auf der A20 die „Dekorateure“ das Sagen: Sie übernehmen die Beschilderung, die Fahrbahnmarkierungsarbeiten und die Montage der Leitplanken. Foto: lno
Auf der Inspektionsfahrt geht es zu den Straßenmarkierern, die den Roadliner unter einer Brücke geparkt haben. Die nasse Straße macht ein Weiterarbeiten momentan unmöglich. Damit die weiße Farbe haftet, muss der Asphalt trocken sein. „Aus diesen Gründen brauchen wir auch noch die Zeit bis Anfang Dezember“, sagt Münch und rollt mit dem Geländewagen weiter. Der Bauingenieur zeigt auf Kabel, die aus der Erde ragen. „Hier kommen die Notrufsäulen hin.“ Auch die Fundamente für die blauen Autobahnschilder sind fertig. Noch drei Kilometer, dann stoppt Münch den Wagen. Ende der Inspektionsfahrt: „Das war's“.
Landeszeitung vom 03.12.2005

 
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