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Wirtschaft soll der Trasse folgen

45 Gewerbegebiete befinden sich an der Ostseeautobahn. Während im Westen des Landes das Interesse an Ansiedlungen steigt, gehen Aufschwung-Prognosen nicht überall auf.

Im Gewerbegebiet Upahl (Nordwestmecklenburg) haben sich inzwischen 19 Firmen mit knapp 900 Beschäftigten angesiedelt.
Rostock (OZ) Rollt auf der Ostseeautobahn nun der wirtschaftliche Aufschwung nach MV? Politiker verkünden dies gern: Wirtschaft hänge klar an einer gut ausgebauten Verkehrswege-Infrastruktur. Tatsächlich zieht die A 20 Investoren ins Land, behauptet Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD). Die Standortgunst der Kommunen habe sich erheblich verbessert. Die Gewerbegebiete entlang der Ostseeautobahn seien stark ausgelastet, teilt Ebnet mit. Von 234 Industrie- und Gewerbegebieten in MV befinden sich 45 an der A 20.
Mit großen, voll erschlossenen Flächen und großzügiger Förderung umwerben Land und Kommunen potenzielle Investoren. Und die kommen allmählich. Im Industriegebiet Upahl (Nordwestmecklenburg) ist die Hälfte von 55 Hektar Gewerbefläche vermarktet. 19 Firmen mit knapp 900 Beschäftigten, darunter Hansano, eine der größten Molkereien Europas, haben sich angesiedelt. Die Großbäckerei Kamps, die 250 Arbeitskräfte einstellen will, feierte zum Ärger der Nachbarkommune Lübeck gerade Richtfest für ein neues Werk im Gewerbepark Lüdersdorf. Hier baut auch Servitex Nord eine neue Wäscherei, die ab Mitte 2006 mit 60 Arbeitsplätzen in Betrieb geht.
„Ohne A 20 wäre Lüdersdorf ein verschlafenes Dorf geblieben“, ist Martin Broziat von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordwestmecklenburg überzeugt. Die Gesellschaft hat die drei Gewerbegebiete Upahl, Schönberg und Lüdersdorf erschlossen und führt derzeit intensive Verhandlungen mit weiteren Interessenten. „Bis vor einem Jahr war die A 20 nur eine Sackgasse, noch dazu von der falschen Seite“, sagt Broziat. Die wirtschaftlichen Impulse kämen aus westlicher Richtung von der Metropolregion Hamburg. Und seit dem Lückenschluss nach Lübeck im Dezember 2004 steige das Interesse an Gewerbeansiedlung in Nordwestmecklenburg. „Natürlich auch, weil produzierendes Gewerbe gut gefördert und Genehmigungen schnell erteilt werden und weil das Lohnniveau in Mecklenburg-Vorpommern ein Drittel unter dem im Hamburger Raum liegt“, erklärt Broziat.
Doch nicht überall im Land gehen die Autobahn-Aufschwung-Prognosen auf. Im Gewerbegebiet Kavelstorf (Landkreis Bad Doberan) am Autobahnkreuz A 19/A 20 hat sich während der ganzen Autobahnbauphase nicht ein Betrieb niedergelassen. „Wir hatten uns mehr versprochen“, gibt Hannelore Hagen vom Amt Warnow-Ost offen zu.
Auch im nur wenige Kilometer entfernten Airpark Rostock-Laage zog das Argument A 20 kaum. „Für unsere Unternehmen war die Flughafennähe ausschlaggebend“, informiert Klaus Wernike von der Airpark Entwicklungsgesellschaft. 15 Unternehmen mit rund 800 Mitarbeitern sind bisher hier zu finden. Doch die belegen erst 40 von 500 Hektar Gewerbefläche. „Wir suchen mit Gesprächen, Messeauftritten und Internetwerbung ständig neue Investoren“, sagt Wernike.
Die Hoffnung A 20 erfuhr weiter östlich erst vor Tagen neuen Auftrieb: mit dem ersten Spatenstich für den Industriepark Pommerndreieck. Am Kreuz Ostseeautobahn/Bundesstraße 96 erschließen die Gemeinde Süderholz (Nordvorpommern) und die Kreisstadt Grimmen ein über 200 Hektar großes Gewerbegebiet. Zunächst werden hier Autohof, Großtankstelle, ein Service rund um den LKW und ein Fastfood-Restaurant ihren Platz finden, kündigt der Süderholzer Bürgermeister Ralf Drescher an. Im Frühjahr 2006 bestünde Baurecht für das gesamte Gebiet. In Anlehnung an ein Standortgutachten der Uni Greifswald setzen die umliegenden Kommunen auf Aufschwung im Pommerndreieck.
„Ich kann keine Wunder versprechen“, so Drescher. Doch abgesehen von einer verkehrsmäßig günstigen Anbindung in Richtung Berlin, Hamburg, Polen und Skandinavien könnten Firmen aus einem großen Arbeitskräftepotenzial schöpfen. Im Standortnetz Grimmen, Stralsund, Greifswald mit Fachhochschule und Universität könne da viel geboten werden.
OSTSEE-ZEITUNG vom 22.11.2005

 
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