Quelle: newsclick.de (05.07.2005)
Bürger in Walle kommen nicht zur Ruhe – Lärmschutzwand entlang der A 2 bringt keine Linderung
Von Katja Dartsch
 WALLE. Es könnte so schön sein. Auf dem Rasen hinterm Haus steht ein kleiner Tisch, hübsch gedeckt mit Kaffeegeschirr und Servietten. Durch die Bäume fallen einzelne Sonnenstrahlen auf die Terrasse. Idylle pur – wäre da nicht dieser permanente Geräuschpegel. Der Autobahn-Lärm zerrt an den Nerven der Süd-Waller Bürger.
Kommt der Wind aus Südwesten, wird der Lärm unerträglich, sagt Brigitte Beddig. Nachts kann sie kaum einschlafen, bei offenem Fenster geht gar nichts. "Der Lärm macht aggressiv", hat die 47-Jährige beobachtet. Sogar ihr Haus wollten sie und ihr Mann schon verkaufen – aber die Wertverlust wäre zu hoch gewesen. Also bleiben sie weiter in Walle wohnen, wenige Steinwurf von der Autobahn 2 entfernt. Sie haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass irgendetwas gegen den Lärm getan wird.
Bürgermeister Uwe-Peter Lestin gibt sich alle Mühe. Er hat das niedersächsische Verkehrsministerium angeschrieben, nachdem er sich selbst ein Bild von der Lage gemacht hatte: "Es hört sich an, als würden die Lastwagen und Autos direkt über die Terrasse rollen. Die Millionen Euro teure Lärmschutzwand scheint nichts zu bringen", schildert er seinen Eindruck.
Beddigs Nachbar Peter Tylski erinnert sich: "Als wir vor elf Jahren hierher zogen, war der Lärm noch nicht so schlimm, weil das Verkehrsaufkommen geringer war. Man hat uns versprochen: Wenn erstmal die Lärmschutzwand gebaut ist, hört man von der Autobahn nichts mehr." Dann aber wurde die Bahn dreispurig ausgebaut – und die 2004 endlich gebaute Lärmschutzwand schlucke längst nicht so viel Lärm wie versprochen.
Peter Puls, ebenfalls Anwohner am Hagenkamp, vermutet, dass die Geräusche der Fahrbahn in Richtung Berlin nicht von der Schutzwand abgefangen werden. "Die Fahrbahnen liegen etwa 15 Meter auseinander. Und der Lärm fließt nach oben auseinander – wie bei einer Trompete. So schallt es ungebremst zu uns rüber", beschreibt er. Nach dem schweren Lkw-Unfall im Winter, als die Fahrbahn Richtung Berlin mehrere Tage gesperrt war, habe man nichts gehört von der Autobahn. "Es war absolut still – fast unheimlich still", bestätigt Brigitte Beddig.
Sie und ihre Nachbarn hoffen, dass die Südfahrbahn mit einer weiteren Lärmschutzwand abgeschottet wird. Vielleicht, mutmaßen die Waller, ist auch die Brücke Schuld, die vor einiger Zeit um mehrere Meter erhöht wurde.
Verkehrsminister Walter Hirche hat Bürgermeister Lestin vorerst eine Absage erteilt: "Eine weitere Reduzierung ist aufgrund der Sach- und Rechtslage leider nicht möglich", heißt es in seinem Schreiben. Lestin lässt nun das Lärmgutachten, das damals erstellt wurde, von einem Ingenieurbüro überprüfen – und hofft, das sich in der Berechnung ein Fehler findet.
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