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Obwohl viele A39-Befürworter (aus durchsichtigen Motiven) unseren heimatlichen Standort in den düstersten Farben schildern, schneiden unsere Landkreise in etlichen bundesweiten Vergleichen recht gut ab. Es wäre gut, wenn diese differenzierten Untersuchungen nicht weiter unter den Tisch gekehrt würden: In einer Studie der Universität Köln über das Klima für Existenzgründungen belegt der Raum Lüneburg-Uelzen den Platz neun von insgesamt 97 Rängen, der Raum Braunschweig-Gifhorn immerhin Platz 34 (Wirtschaftswoche 12/05). Die Zeitschrift Focus wertet in ihrem Artikel „Wo der Motor brummt“ aus, welche Landkreis-Rangfolge sich aus Arbeitslosenanteil, Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts und der Erwerbstätigenzahl, Bruttowertschöpfung, verfügbarem Einkommen, Investitionen im verarbeitendem Gewerbe und Bevölkerungsentwicklung ergibt. Und siehe da: Im Ranking von insgesamt 425 Kreisen stehen die Landkreise unserer Region auf oberen Plätzen, nämlich Gifhorn auf dem 109., Uelzen auf dem 126. und Lüneburg auf dem 179. Platz. Autobahnen spielen für die Standortqualität ganz offensichtlich keine zentrale Rolle, sonst läge auch das autobahnferne Stade nicht auf Platz 24 und die autobahnnahen Orte Northeim und Göttingen nicht auf den Plätzen 322 und 346! Dies ist eine deutliche Bestätigung zahlreicher wissenschaftlicher Studien, die klar belegen, dass Autobahnen keine Arbeitsplätze bringen, sondern diese sogar gefährden. Auch in der vielbeachteten Zukunftsfähigkeits-Studie des Berlin-Instituts (BBR) belegen unsere Landkreise überdurchschnittliche Plätze (GEO 5/04). Bedenkenswert, auf welchen Feldern z.B. der Kreis Uelzen wie abschneidet: Relativ gute Werte gab´s bei der Familienfreundlichkeit (Freiflächen, Erholung, Fremdenverkehr), dem allgemeinen Schulsystem, bei der Kaufkraft und bei der Bevölkerungsprognose. Relativ schlechte Werte bekam der Kreis Uelzen bei der Förderung der Jugend, der Ausländerintegration, der Berufsausbildung, der Hochqualifizierung und der Kindergärten. Die schlechten Uelzener Werte im Bereich Erwerbstätigenanteil erklären sich u.a. dadurch, dass hier nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und nicht Selbständige (Landwirte) mitgezählt wurden. Der negativ bewertete Anteil von „Hochbetagten“ sollte eher positiv zu Buche schlagen, - auch weil Kurorte wie Bad Bevensen gerade von den vielfältigen Dienstleistungen für diese alten Menschen leben. Fazit: Nicht pauschale Forderungen nach einer Autobahn lösen unsere (Teil-) Probleme, sondern ein genaues Hinsehen und Handeln in den Bereichen Regional- und Wirtschaftsentwicklung, Tourismus, Bildung und Forschung, gezielt z.B. auf den Ausbau von Wertschöpfungs-Ketten zwischen Agrarsektor und Ernährungsindustrie bzw. der Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Eine solche sachbezogene Analyse und unideologische Debatte um die Zukunft unserer Region brauchen wir, nicht aber hilflos-aggressive Autobahngläubigkeit!
Eckehard Niemann, Dipl.Ing.agr., Bienenbüttel-Varendorf
Leserbrief in der AZ Uelzen vom 26.3.05 u.a. zu „Kreis Uelzen bleibt im Plus“ (AZ vom 7.3.05):
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