Isenhagener Kreisblatt, 25.05.2004:
"Am besten recht schnell" Große Unternehmen im Isenhagener Land wollen die A 39 - aber nicht alle
Wittingen. Braucht das Isenhagener Land die A 39? Die Wirtschaft hat über die Industrie- und Handelskammer deutlich gemacht, dass sie die Autobahn lieber heute als morgen fertiggestellt sähe (das IK berichtete). Auf den Chefetagen der großen Arbeitgeber im Isenhagener Land schließt man sich diesem Votum weitgehend an - allerdings nicht einstimmig. Ergebnisse einer kleinen IK-Umfrage:
"Wir brauchen die A 39 auf jeden Fall", sagt Carsten Schulz-Hausbrandt, Chef der Wittinger Privatbrauerei. Es sei nicht nur an der Zeit, die Region ans Autobahnnetz anzubinden, die verkehrliche Erreichbarkeit sei "auch ein Kostenfaktor". Rund 20 Lkw rollen täglich vom Hof der Brauerei. Den weiteren Ausbau des vorhandenen regionalen Straßensystems, von vielen Autobahnkritikern als Alternative zum Ausbau der A 39 gefordert, findet Schulz-Hausbrandt "nicht so entscheidend".
Wie bei der Brauerei, so hofft man auch bei der Druckerei Neef + Stumme auf den Ausbau der Autobahn. "Am besten recht schnell", wünscht sich Unternehmenssprecherin Bärbel Wetenkamp, denn für Lkw-Lieferungen wie auch für Kundenbesuche "liegen wir hier einfach schlecht". Hauptargument seien aber die rund 3 500 Lkw-An- und Abfahrten pro Jahr "in alle Richtungen".
Bedarf für die A 39 sieht man auch beim größten Arbeitgeber in Hankensbüttel: "Jede Autobahn ist für uns nützlich", sagt die Werksleiterin von Lorenz Bahlsen Snack World, Ulrike Buchholz. "Als produzierendes Gewerbe brauchen wir breite Straßen."
Interessanterweise wird diese Meinung zehn Kilometer weiter östlich nicht geteilt, obwohl die Branche eine ähnliche ist: "Für uns spielt die A 39 keine Rolle", sagt Hartmut Kögel, der das Werk von Emsland Food leitet. "Unsere Spediteure rechnen nach Entfernung ab, und die kommen auf Landstraßen auch ganz gut zu uns." Durch eine Autobahn seien keine Einsparungen zu erwarten.
Gespalten ist Hermann Butting, wenn es um die A 39 geht: "Als Unternehmen würden wir uns freuen, logistisch wäre die Autobahn von Vorteil", meint der Knesebecker Firmenchef. Sein Versandleiter Jürgen Meinecke konkretisiert das: Bei "30 Lkw, die täglich rein- und rausfahren", entstehe durch Zeiteinsparung durch die A 39 ein Vorteil, der letztlich auch monetär zu messen sei.
Doch als "Bürger, der sich Gedanken um eine Vision für unsere Region macht", sei er gegen den Bau der Autobahn, meint Butting. Das Isenhagener Land sei ein Gebiet, das durch seine Natur attraktiv sei, und diesen Aspekt solle man stärker in den Vordergrund stellen. Mehr Arbeitsplätze bei Butting seien durch den Bau einer Arbeitsplätze nicht zu erwarten, meint der Unternehmer. Und: "Ich würde nichts auf die Hoffnungen auf mehr Gewerbeansiedlung geben" - zumal es auch anderswo genug Autobahnanschlüsse gebe.
Bei der Glunz AG in Nettgau verfolgt man die A 39-Diskussion laut PR-Manager Henning Harfst nur am Rande: "Das ist kein großes Thema bei uns." Harfst räumt aber ein, dass "der Standort vom Verkehr her nicht völlig optimal" sei und dass eine Autobahn andere Straßen möglicherweise entlasten würde. Bei Glunz kommen laut Harfst täglich 180 Lkw an, 120 bis 140 verlassen das Werk mit Fertigprodukten. |