| vom 28.01.2009 Mit Mut nach vorne Frauen in der Kommunalpolitik: Annette Niemann (Liste Zukunft)  Von Marc Rath Uelzen/Landkreis. Eine Premiere gab es bei der Kommunalwahl 2006 — die Wählergemeinschaft „Keine A39 — Liste Zukunft“ konnte einen Sitz im Kreistag erringen. Mit einer Frauenquote von 80 Prozent war die Liste angetreten. Annette Niemann aus Aljarn hatte die meisten Stimmen bekommen und sitzt seitdem im Kreistag. Als Einzelkandidatin wurde die 43-Jährige zudem in den Altenmedinger Gemeinderat gewählt. Während sie dort mit der CDU zusammenarbeitet, bildet sie im Kreistag eine Fraktion mit den Grünen. „Dazwischen liegen gar nicht so viele Unterschiede. So fürchterlich schwer ist es gar nicht, da zusammenzufinden“, ist ihre Erfahrung nach zwei Jahren Kommunalpolitik. Seit 2004 engagiert sich Annette Niemann in der Bürgerinitiative gegen die A39. Seit drei Jahren ist sie Sprecherin des Dachverbandes der 35 Initiativen. Ihr Engagement gegen die Autobahn war auch Auslöser für den Einstieg in die Kommunalpolitik. „Das ziemlich arrogante Denken einzelner Männer hat das Fass dann zum Überlaufen gebracht“, erklärt sie. So habe die damalige Gemeindevertretung landwirtschaftlichen Betrieben, die in den Korridoren des Straßenbauprojektes lagen, keine Unterstützung signalisiert — „das wollte ich ändern“.
Warum mischen weniger Frauen als Männer in der Kommunalpolitik mit? Annette Niemann: Ich denke, dass die Politik auf Seiten der Männer gerne als Domäne gehalten wird. Es gibt viele Frauen, die sich noch nicht so emanzipiert haben, dass sie hier an den Männern vorbeimarschieren. Oft gibt es hier die typische Geschlechterteilung: Die Frau kümmert sich um Schule und Kindergarten, der Mann um Politik und Verein. Leider.
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Was unterscheidet Frauen von Männern in der Kommunalpolitik? Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, dass Männer sehr gezielt auf das zugehen, was sie in dem Moment erreichen wollen. Die Frauen, die ich bisher erlebt habe, überlegen sich vorher, wie sie dahin kommen wollen, und erreichen oft eher über Umwege und Taktieren ihre Ziele — dann aber auch nachhaltig.
Was war die für Sie bedeutendste Entscheidung, die Sie als Frau mit beeinflusst haben? Für meine Gemeinde in Altenmedingen ist das ganz aktuell der Mehrgenerationenplatz, wo ich auch auf Kreisebene mitgearbeitet habe. Natürlich finde ich es interessant, immer auf die Diskussion über die A 39 hinzuweisen und sie letztendlich zu verhindern. Mein klares Ziel ist es, dass die Menschen, die hier die Hauptlast werden tragen müssen, auch entsprechend ihre Berücksichtigung finden.
Was raten Sie Frauen, um sich mehr zu engagieren? Sie sollten sich nicht nur auf Schule und Kindergarten beschränken, sondern sich auch darüber hinaus engagieren. Das kann sehr vielfältig sein. In Bürgerinitiativen sind viele Frauen engagiert. Sie sollten auch öfter den Mut haben, sich nach vorne zu stellen.
Was wünschen Sie sich von Ihren männlichen Politiker- Kollegen? Es gibt durchaus Respekt im Einzelgespräch. Viele haben gelernt, zu akzeptieren, dass A-39-Gegner nicht Menschen sind, die gegen alles agieren, sondern dass man klar differenzieren und durchaus sachbezogen Politik machen kann und es ganz wenig an Parteien hängt.
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