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Umweltverein Gellersen e. V.
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vom 06.08.2008

Verfehlte Planung

Leserbrief zu "die kreisboten" vom
30.07.2008 "Der große Flächenfraß"

Vielen Dank für Ihren Bericht mit dem Titel "Der große Flächenfraß". Damit haben sie mir und auch vielen anderen Mitgliedern des Umweltvereins Gellersen aus der Seele gesprochen. Es muss uns ein ganz dringendes Anliegen sein, sparsam mit unseren Flächen umzugehen. Der überall zu beobachtende Flächenverbrauch ist ein Ergebnis der Politik vieler Kommunen und auch Landwirte, ihre Kassenlage kurzfristig zu verbessern oder den Verlockungen von Investoren nicht zu widerstehen.
Aber gerade bei Neubaugebieten belegen wissenschaftliche Arbeiten, dass der Versuch, über Neubürger Haushalte zu sanieren, auf Dauer nicht funktioniert. Da für alle neu Hinzugezogenen von der Straßenbeleuchtung über die Verwaltung bis zur Schule auch wieder Infrastruktur geschaffen und vorgehalten werden muss, werden die Mehr­einnahmen schnell wieder ausgegeben und es kommt bestenfalls zu einem Nullsummenspiel, so die TU Hamburg-Harburg. Folglich müssen wieder neue Flächen für den Häuslebauer ausgewiesen werden und der Teufelskreis beginnt von vorn. Dass dieses Verfahren jetzt vielerorts scheitert, wird beispielsweise in Westergellersen deutlich. Die dortigen riesigen Grundstücke sind ein absoluter Ladenhüter und nahezu unverkäuflich. Wester­gellersen liegt viel zu peripher, und das in jeder Hinsicht. Niemand will bei der aktuellen und langfristigen Energiepreisentwicklung noch so große Entfernungen zum Arbeitsplatz oder zum attraktiven ÖPNV-Angebot in Kauf nehmen.
Katastrophal ist auch der Flächenverbrauch durch neue und teilweise überflüssige Gewerbegebiete, Logistikzentren und Autohöfe. So sind gerade an der A1 und der A7 riesige Neuansiedlungen geplant, wo wir uns auch fragen müssen, ob dafür überhaupt Bedarf besteht. Die Süderelbe AG hat jetzt eine neue Vermarktungs­strategie vorgestellt, in der es auch darum geht, für 900 Hektar ungenutzter Gewerbeflächen in unserer Region endlich Nutzer zu finden. Angesicht riesiger ungenutzter Flächen in bestehenden Gewerbe­gebieten, ist es doch absolut inakzeptabel, weitere Flächen auf der grünen Wiese zu zubetonieren, so wie es jetzt mit dem größten Logistikzentrum Deutschlands im Mienenbüttel an der A1 auf gut 80 Hektar geplant ist. Eines kommt noch hinzu: Die Neuansiedlungen verfügen sämtlich über keinen Bahnanschluss, die völlig unzeitgemäßen Planungen setzen lediglich auf die Autobahn und den Lkw, und das, wo nach neusten Untersuchungen jeder zweite Logistikdienstleister an einem Gleisanschluss interessiert ist.
Dann hätten wir ja noch das Argument Arbeitsplätze. Hier geht es lediglich um einen Wettbewerb der Kommunen um bestehende Unternehmen, neue Arbeitsplätze sind die Ausnahme, denn beispielsweise die New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie AG zieht lediglich von Hamburg nach Lüneburg um, die Jack Wolfskin GmbH & Co. KGaA von Hamburg nach Neu Wulmstorf. Oder nehmen wir Mienenbüttel: Geplant waren 3.500 Arbeitsplätze, doch die Vertragspartner kündigten kurzerhand die Abmachungen. Jetzt gibt es ein neues Konzept mit immerhin 2.000 geplanten Arbeitsplätzen. Und wir dürfen nicht vergessen, warum sich Unternehmen überhaupt einen neuen Standort suchen – weil sie sich eine modernerer Infrastruktur, größere Hallen, eine verbesserte Verkehrsanbindung, letztlich einen höheren Automatisierungsgrad und damit mehr Profit versprechen – Arbeitsplätze zu schaffen ist kein Firmenziel.
Ackerland in Asphaltbänder umzuwandeln, wie bei den Planungen zur A21, A22, A26, A39 oder der Reppenstedter Ortsumfahrung, bedarf in jedem Fall einer Überprüfung. In den genannten Planungen sind sämtlich die massiven Energiepreissteige­rungen und das resultierende sich ändernde Mobilitätsverhalten nicht berücksichtigt worden. Das heißt, dass bei einer Neubewertung die entscheidenden Nutzen-Kosten-Verhältnisse ganz anders aussähen, als vor Jahren und zwar insbesondere beim Vergleich mit anderen Verkehrsträgern.

Hans-Christian Friedrichs,
Reppenstedt,
Vorsitzender des Umweltvereins Gellersen
 
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