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A 20: "Brüllbeton" nervt Bürger PDF Drucken E-Mail
Quelle: http://www.abendblatt.de./daten/2005/01/26/391337.html (26.01.2005)

Fahrbahnbelag - leise im Westen, laut im Osten: Mecklenburger fühlen sich benachteiligt.
Von Hanna-Lotte Mikuteit

Foto: BODIG
Dietmar Lemke (57) aus Niendorf sowie Werner Vickel (66) und Ronny Freitag (28) aus Klein Siemz (v. l.) kämpfen gegen den Lärm von der 20
Groß Siemz - Seine Freude über die neue Autobahn dauerte nur bis kurz nach der Freigabe. Als Reiner Berger (44) am Abend des 14. Dezember 2004 vor seiner Haustür aus dem Wagen stieg, kam der Schock. "Es war unglaublich laut", sagt der Bürgermeister von Groß Siemz (Nordwestmecklenburg). 500 Meter liegt sein Dorf von der A 20 entfernt. "Wir wußten, daß es nicht so ruhig bleiben würde, aber das ist einfach nur schlimm." Bis zu 96 Dezibel seien schon gemessen worden, so Berger. Erlaubt sind tagsüber 56. Auch nachts höre das Dröhnen nicht auf. Was den Landmaschinenhändler besonders ärgert: "So laut ist es nur auf unserem Autobahnabschnitt."

Schuld daran, so die einhellige Meinung, ist der Straßenbelag. Während die Autos auf der schleswig-holsteinischen Seite auf Asphalt rollen, wurde in Mecklenburg Beton verbaut. Der Beton wurde auch noch mit einem sogenannten "Besenstrich quer" aufgerauht, um den Belag griffig zu machen. "Jetzt klingt es bei jedem Wagen, als ob ein Flugzeug startet", sagt Ronny Freitag (28) aus Klein Siemz. 3000 Menschen rund um Schönberg sind vom Verkehrslärm betroffen - und auf den Barrikaden. Eine übergemeindliche Bürgerinitiative sammelt Unterschriften, formuliert Beschwerden. Die CDU-Fraktion im Schweriner Landtag hat eine Anfrage gestellt.

Noch ist unklar, wie es zu dem Problem auf der langersehnten West-Ost-Trasse kommen konnte. Falsches Material? Fehlerhafte Verarbeitung? Zeitdruck? "Wir haben uns für das wirtschaftlich günstigste Angebot entschieden", sagt Bereichsleiter Volker Kock, der für den Autobahnbau zuständig ist. Entscheidend seien nicht nur der Preis, sondern auch die Haltbarkeit und die Sicherheit gewesen. "Wir überprüfen jetzt unsere lärmtechnischen Berechnungen", so Kock. Bis Ende der Woche soll das Ergebnis vorliegen. Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD) hat bereits angekündigt: "Wenn hier Murks gemacht wurde, wird der auch beseitigt. Und zwar von dem, der ihn zu verantworten hat." Die Straßenbauer weisen Fehlervorwürfe von sich: "Es gab eindeutige Absprachen. Die Priorität im Vertrag war die Forderung nach Griffigkeit, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten", so Wolfgang Arens, Bereichsleiter Beton bei der Hamburger Strabau. "Das ist natürlich lauter, aber der Lärm verliert sich mit der Zeit."

Den Anwohnern reicht das nicht. "Da ist Pfusch gemacht worden", sagt Anke Flachsberger (42) aus Groß-Neuleben. "Beton muß nicht lauter  sein als Asphalt", bestätigt Michael Karstadt, Professor für Bauingenieurwesen an der Fachhochschule Wismar. Tatsächlich gilt die Methode, den Beton quer zur Fahrtrichtung aufzurauhen, als veraltet. Heute arbeitet man mit Längsrillen, die zudem mit Jutetüchern abgezogen werden. "Es ist ein Konflikt zwischen Griffigkeit und Lärmentlastung", so Gerhard Diedrichs vom Straßenbauamt Lübeck. Sein Amt hat sich für Asphalt entschieden - und gegen Lärm. Ungerecht findet der Siemzer Bürgermeister Berger: "Die Autobahnblockierer im Westen kriegen den Flüsterasphalt, und wir Befürworter im Osten haben Brüllbeton."

(c) Hamburger Abendblatt
 
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