|
Otterzentrum, Otter, Autobahn |
|
|
|
Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/276498/ (14.06.04)
Europaweit einzigartig
Das Otterzentrum in Niedersachsen zur Rettung des Fischotters
Von Axel Hammerl
Der Fischotter ist zwar ein Landraubtier, aber perfekt ans Wasser
angepasst. Hier im Otterzentrum in Hankensbüttel zeigt er dem Besucher
in Teich, Bach und Wasserfall, wie geschickt er tauchen und schwimmen
kann. In der freien Natur ist er kaum anzutreffen. Einmal, weil er ein
scheues, nachtaktives Tier ist. Zum anderen, weil er vor allem in
Westdeutschland noch sehr selten vorkommt. Die dramatische Lage hatten
die Mitglieder der Aktion Fischotter vor 25 Jahren erkannt. Mark
Ehlers, Forstingenieur und Mitarbeiter im Otterzentrum:
Es wurde damals festgestellt, dass der Fischotter in Westdeutschland
nahezu ausgestorben war, es gab nur noch ganz wenige Restpopulationen.
Und diese Entwicklung hatte man an und für sich verschlafen. Man hatte
das nicht so genau verfolgt und wusste die Ursachen nicht so genau und
hat dann begonnen, Grundlagenforschung zu betreiben.
Die Ursachen für das allmähliche Aussterben der Fischotter waren bald
klar: Fluss- und Bachbegradigung beraubten sie ihres Lebensraumes.
Hinzu kam, dass das Fell der Fischotter sehr begehrt war für alle
möglichen Bekleidungsstücke. Und - ein ganz wesentlicher Faktor - die
Gewässer waren stark verschmutzt. Das hat sich nun alles geändert:
Jagdverbot, Klärwerke, Renaturierung der Flusslandschaften - der
Fischotter kann wieder kommen. Damit er sich im Otterzentrum dem
Besucher zeigt, wird regelmäßig im Viertelstundentakt gefüttert. Und
während Otter und Co nach Fischen, Küken, Pansen und Rinderherz
schnappen, erfährt der Besucher Wissenswertes über die Tiere und
ihre Haltung:
Hier unsere Tiere sind nicht handzahm, sondern nur futterzahm. Sie
wissen, dass sie von mir Futter bekommen und kommen deswegen auch dicht
an mich heran. Aber ich kann hier nicht unsere Otter streicheln. Würde
ich das versuchen, da würde mich der Hoppe hier beißen, der würde sich
erschrecken und mir schön in die Hand beißen. Wir wollen unsere Otter
hier schön wild halten.
Aber ganz so wie in der freien Natur ist das Leben im Gehege natürlich
nicht. Die Tiere müssen nicht jagen, und sie bekommen nicht genau die
gleiche Nahrung wie die, die sie in Freiheit erbeuten würden, weil
Hecht und Aal zu teuer und andere Kleintiere wie Mäuse und Ratten nur
schwer erhältlich sind. Um trotzdem eine optimale Ernährung der Tiere
zu erreichen, wird im Otterzentrum geforscht. Doktorandin Katrin Ruff
untersucht seit einem Jahr in Hankensbüttel unter anderem, mit welcher
Nahrung die Nierensteine der Fischotter reduziert werden können:
Nierensteine kommt bei Fischottern sehr häufig vor in
Gefangenschaftshaltung. Also hier im Otterzentrum sind das an die 70
Prozent, das ist eine sehr hohe Zahl. Das kommt auch im Freiland vor,
da allerdings nur zu 25 Prozent.
Etwas, das dem Fischotter in Gefangenschaft garantiert nicht passiert,
wird im Otterzentrum anschaulich demonstriert. Ein altes Auto, ein
Lautsprecher, ein Stück Straße. Der Besucher erfährt an einer der
vielen Lernstationen, dass die Todesursache Nummer eins für den
Fischotter der Straßenverkehr ist. Jedes Jahr erwischt es mehrere
hundert Tiere. Ein spezielles Problem dabei stellen die Brücken dar.
Mark Ehlers:
Das Entscheidende ist, wenn Brücken gebaut werden, dass nach aller
Möglichkeit Land mit überspannt wird, rechts und links oder zumindest
an einer Seite des Gewässers ein Landstreifen verbleibt, weil die
Fischotter es eben nicht mögen, unter der Brücke hindurchzuschwimmen,
sondern an Land unter der Brücke hindurchlaufen.
Und wenn sie das nicht können:
Dann steigen sie aus, wechseln über die Straße hinüber und steigen auf
der anderen Seite wieder in den Bach oder den Fluss ein. Und das ist
häufig der Augenblick, wo sie dann totgefahren werden. Die Experten vom
Fischotterzentrum werden daher gerne bundesweit von Straßenbauern als
Gutachter herangezogen. Dass auch beim Straßenbau auf Fischotter
Rücksicht genommen wird, zeigt, wie sehr sich das Bewusstsein verändert
hat. Doch wie so oft, wenn fast ausgestorbene Tiere wieder heimisch
werden sollen, gibt es auch Konflikte - zwischen Tierschützern und
denjenigen, die von der Natur leben, in diesem Fall den Fischzüchtern.
Ab und zu erhält Mark Ehlers besorgte Anrufe und gesteht ein:
Es stimmt ja schon, dass der Fischotter in fischereiwirtschaftlichen
Betrieben schon auch Fische fängt und dort einen Schaden macht. Und wir
sehen uns als Verband in der Pflicht, da auch Lösungen zu entwickeln,
wie man diese Schäden minimieren kann bzw. wie man den Fischotter von
diesen Zuchtanlagen entfernt hält.
Gerade erst hat der Verband einen speziellen Zaun entwickelt, der sehr
niedrig ist, aber so konstruiert, dass der Fischotter ihn meidet. So
steht also auch in dieser Hinsicht dem weiteren Ausbreiten des
heimischen Raubtieres nichts im Wege:
Auf jeden Fall kann man sagen, dass er sich ganz stark gegen Westen
hin wieder ausbreitet - also das östliche Niedersachsen ist bereits
wieder besiedelt von ihm - und das mit einer Geschwindigkeit von bis zu
10 Kilometern im Jahr. Unsere Hoffnung ist schon, dass er irgendwann
auch wieder die holländische Grenze erreichen wird, im Prinzip also
ganz Westdeutschland wieder zunehmend besiedelt wird.
© DeutschlandRadio 2004
Alle Rechte vorbehalten |
|
|