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Umweltverein Gellersen e. V.
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Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/260642/ (27.04.04)

Tag gegen den Lärm
Von Andreas Baum

Zu den Aufgaben der Politik gehört es, das Nötige in Sachen Lärmschutz in Gesetze und Verordnungen zu gießen. Da stehen aktuell insgesamt drei Projekte an: Die Umsetzung der Umgebungslärmrichtlinie der Europäischen Union, die Verminderung des Schienenlärms in Deutschland - hier hat sich die Deutsche Bahn selbst verpflichtet, künftig nur noch halb so laut zu fahren wie bisher - und die Novelle des Fluglärmgesetzes. Während die Bundesregierung in den ersten zwei Punkten auf Erfolge verweist, ist der letzte Punkt, ein neues Fluglärmgesetz, eine Art Stiefkind der Politik. Schon in der vergangenen Legislaturperiode hat das Bundesumweltministerium erfolglos versucht, eine Novelle zu verabschieden, es gibt Streit zwischen den Ressorts, wie auch Margaretha Wolf zugibt, Staatsekretärin im  Bundesumweltministerium, und Probleme dabei, dieses Gesetz zügig zu erarbeiten.

Es muss ressort-abgestimmt werden mit dem Verkehrsministerium, mit dem Wirtschaftsministerium und dem Verteidigungsministerium. wir haben die Federführung. Wir haben auch diesen Gesetzentwurf in die Ressortabstimmung gegeben. Die Ressortabstimmung ist soweit abgeschlossen. Wir werden uns im Kanzleramt mit den beteiligten anderen Ministerien Anfang Mai zusammensetzen um den letzten Schliff zu diskutieren; wir streben an, dass die Versendung des Gesetzentwurfes vor der Sommerpause erfolgt.

...so dass mit der Verabschiedung eines Fluglärmgesetzes in diesem oder im nächsten Jahr zu erwarten ist, jedenfalls wenn es nach dem Bundesumweltministerium geht. Dass dringender Handlungsbedarf besteht, dafür sprechen alarmierende Zahlen: 60 Millionen Deutsche, also drei Viertel der Bevölkerung, fühlen sich durch Lärm belästigt. Jeder sechste muss wegen Lärms ein erhöhtes Herzinfarktrisiko in Kauf nehmen und 14 Prozent aller Bundesbürger sind schwerhörig, darunter immer mehr Kinder und Jugendliche. Die Verbände, die heute anlässlich des Internationalen Tages gegen den Lärm an die Öffentlichkeit gegangen sind, benennen einen Hauptverantwortlichen für die Notlage, in der sich viele Deutsche befinden: Die Politik. Dazu Thorben Prenzel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Kurz und einfach: Lärm ist das von der Politik vernachlässigte Umweltproblem. Unsere Grenzwerte basieren auf den 70er Jahren, allein das bei seiner Entstehung schon völlig überholte Fuglärmgesetz ist inzwischen seit über 30 Jahren unverändert. Grenzwerte an Fahrzeugen sind seit 10 Jahren unverändert. Und was man dazu sagen muss: es geht auch anders. Wir müssen uns dazu die Erfolge in der Luftreinhaltepolitik angucken. Dort haben wir es mit dem Katalysator geschafft, wirklich Erfolge zu erzielen, gleiches können wir auch beim Lärm erreichen.

Die Forderungen der Verbände sind einfach: Jeder Bürger muss sich tagsüber in seinem Wohnumfeld bei Zimmerlautstärke unterhalten können und nachts bei geöffnetem Fenster schlafen können. Von diesem Menschenrecht auf Lärmschutz sind viele Deutsche im Moment noch weit entfernt. Das hat auch damit zu tun, dass es im Vergleich zu anderen Umweltbelastungen keinen Schutzanspruch gibt, wie Helmar Pless  vom Verkehrsclub Deutschland erläutert.

Wir haben nicht das Verursacherprinzip verwirklicht. Das sieht man auch schon daran, dass wir enorme volkswirtschaftliche Kosten haben durch den Straßenverkehrslärm, der aber dem Verkehr gar nicht angelastet wird. Wir haben das Vorsorgeprinzip nicht wirklich realisiert, was ja so große Erfolge in der Luftreinhaltung gebracht hat. Stattdessen wird gehandelt nach dem Grundsatz: So laut wie erlaubt, aber nicht so leise  wie möglich.

Nun gilt es, neben rechtlichen auch ökonomische Instrumente zu finden, um den Lärm einzudämmen. So könnte man die KFZ-Steuer nach Lärmklassen staffeln, man könnte für Schienenfahrzeuge lärmabhängige Trassenpreise verlangen und an Flughäfen mehr lärmabhängige Landegebühren. Vorschläge also, gibt es genug, allein es fehlt, glaubt man den Kritikern, am Willen der Politik und der Wirtschaft.

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