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Sein Kampf um die bürgerlichen Rechte |
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Quelle: Landeszeitung vom 16.11.04
Verwaltungsrechtsexperte Nebelsieck vertritt Autobahn- und Airbusgegner
egg Hamburg. Rüdiger Nebelsieck sieht so freundlich aus, dass er beinahe harmlos
wirkt. Doch der Hamburger Anwalt ist ein harter Gegner: Mit seinem
Partner Peter C. Mohr vertritt er die Interessen der Gegner der
Airbus-Erweiterung im Alten Land und soll nun die Protestbewegung gegen
die geplante Autobahn 39 beraten. Am Abend erklärte er den Gegnern in
der Uelzener Stadthalle rechtliche Möglichkeiten eines Schutz-
und Klagefonds.
Der 36-Jährige gilt als profilierter Kenner des Verwaltungsrechts. Er
studierte in Lüneburg als fertiger Anwalt noch ein Jahr im
Aufbaustudiengang Umweltrecht. Inzwischen wechselte er vom Zuhörerstuhl
ans Pult: als Lehrbeauftragter für deutsches und europäisches
Umweltrecht. Nebelsieck sitzt in seinem kargen Büro in Hamburg-Altona.
Eine Dreier-Reihe Meeresbilder, dazu ein vom Großvater geschenktes
Hafenbild sind der größte Schmuck. Ein Stapel Akten liegt auf dem
Schreibtisch, auf dem Boden türmen sich weitere Papiere.
Verwaltungsrecht klingt raschelig-trocken. Nebelsieck lächelt und
schüttelt den Kopf: "Dröge ist es nicht, es ist spannend. Es geht um
politische Entscheidungen, Auswirkungen für Betroffene." Die Folgen
träfen Menschen oft bis ins Mark. Das zeige sich am Airbus-Verfahren um
eine geplante Startbahnverlängerung, in dem es um den
Wirtschaftsstandort, aber auch um das ganze Land gehe.
"Komplexe Vorschriften und Gesetze versteht der Normalmensch kaum
noch", sagt Nebelsieck. Auch er musste als frischer Referendar in der
Kanzlei Mohr "tapfer sein", als ein Lastwagen Ordner mit Unterlagen für
das Verfahren um das Mühlenberger Loch brachte.
Die Anwälte konnten Erfolge verbuchen: Sie haben vor dem
Verwaltungsgericht Hamburg schon 2002 ein Urteil gegen den
Planfeststellungsbeschluss zum Verfüllen des sensiblen Süßwasser-Watts
an der Elbe erstritten: Aber es wurde für den Bau der Airbus-Hallen
trotzdem zum Teil zugeschüttet, weil die Kläger keinen sofortigen
Baustopp erreichten. Vergangenes Jahr änderte der Bundestag das
Luftverkehrsgesetz. Nun dürfen Gelände, anders als zuvor, auch für
Werksflughäfen enteignet werden. Die "Zeit" schrieb dazu: "Kurz darauf
verabschiedete die Hamburgische Bürgerschaft eigens ein
,Werkflughafen-Enteignungsgesetz' für Airbus - ein Powerplay der
unfeinen Sorte."
Nebelsieck sagt: "Die Fehler der Planer und Politiker werden auf unsere
Kläger abgewälzt. Obstbauern müssen weichen, weil ein Unternehmen die
Flächen vielleicht brauchen könnte." Denn Airbus habe sich schon bevor
es die jetzt umstrittene Landebahn erweitern wollte, in einem Verfahren
verpflichtet, ein Auslieferungslager zu bauen und so Arbeitsplätze zu
schaffen. Immer wieder schiebe der Konzern Forderungen nach: "Hamburg hechelt
Airbus hinterher." Verfassungsgrundsätze gerieten "unter die Räder,
weil ein global player" seine Wünsche durchsetzen wolle.
Es klingt nicht nach Sozialromantik, wenn man Nebelsieck zuhört,
sondern nach der Verteidigung bürgerlicher Rechte. "Es sind nicht böse
Kläger, die die Wirtschaft torpedieren. Es ist ein Kampf David gegen
Goliath. Kläger müssen Opfer bringen, um Rechte durchzusetzen. Es
ist oft ein jahrelanger Streit, der ihnen aufgenötigt wird. Man muss
immer präsent sein, sonst verliert man." Kläger machten in den
komplexen Verfahren Fehler, Fristen seien sehr eng.
"Kein Anwalt wird es schaffen, ein ordentlich geplantes Verfahren zu
Fall zu bringen", sagt der Jurist. "Großprojekte scheitern nicht an
kleinen, lächerlichen Fehlern. Die passieren jedem." Und
Verwaltungsgerichte entschieden in der Regel "staatsnah". Er prüfe, ob
er Prozesse führe: "Sehe ich kaum eine Chance, sage ich es dem
Mandanten. Es gehört zu meinen Grundsätzen, nicht mit Hurra-Geschrei
loszulaufen. Ich bin niemand, der abenteuerlichen Quatsch verkündet."
"Man muss nicht von vornherein auf Konfrontationskurs gehen", sagt
Nebelsieck. "Vielleicht kann man Planungen verbessern." Also etwa
bei Straßenprojekten Trassenführungen und Höhenlagen ändern, auf
Schallschutz achten. Da kehrt Nebelsieck zu seinen Wurzeln zurück, die
in Celle liegen. Sein Vater, auch er ein Verwaltungsrechtsexperte, hat
dort eine Straße durchs Allertal verhindert. Als Jugendlicher habe er
"gemerkt, dass man mit hartnäckiger Arbeit etwas verändern kann", sagt
der Vater zweier Söhne (4 und 6) und ehemaliger Kunstturner auf
Bundesliga-Niveau. Und dann lächelt Nebelsieck ganz freundlich und
beinahe harmlos.
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Sein_Kampf_um_die_Rechte_LZ_16.11.04.pdf
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