Auf dem Parkplatz selbst parkt heute nur, was gut und teuer ist:
S-Klasse, 7er, A8 und sehr viel Oberklasse aus Wolfsburg. Weniger
betuchte Zwangsmitglieder der Industrie- und Handelskammer
Lüneburg-Wolfsburg (IHK), so scheint’s, mochten dem Aufruf zum
Jahresempfang ins Theater Lüneburg nicht folgen ...
Vor der Tür zum Foyer des Theaters ein Bild, so friedlich, wie es
die Gegner der A 39 vielleicht selbst nicht erwartet hätten: In
aller Ruhe verteilen sie dort ihre Broschüre gegen die
„Nonsens-Autobahn“. Und sie werden viele davon los: Im
Theatersaal sind die Gäste mit Lesen beschäftigt, es wird
diskutiert und geblättert. Doch das Bild trügt:
Bernd Hansmann als der scheidende Präsident der IHK, Eberhard
Manzke als sein Nachfolger, Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich
Mädge (SPD) – sie alle sprechen von der Notwendigkeit der
Autobahn und erhalten dafür viel Applaus. Man merkt: dies ist ein
Heimspiel für die Befürworter der A 39. Kein Wunder, wurden doch
der IHK bekannte Gegner der Autobahn gezielt wieder ausgeladen,
und das, nachdem sie ihre Zusage zum Empfang bereits erhalten
hatten!
Umso mehr Respekt verdient der Mut dreier doch in den Saal
gelangter Autobahngegner, die, in Anspielung an die Ausladungen,
zuerst Eberhard Manzke das Benimm-Buch „Knigge – wie man Blamagen
vermeidet“ überreichen, und anschließend dem Staatssekretär im
Bundeswirtschaftsministerium, Dr. Walther Otremba, eine in
Brotteig gebackene, durchgestrichene 39. Der Applaus dafür ist
erwartungsgemäß verhalten, aber die Übergaben runden die Aktionen
der A 39-Gegner doch auf schöne Weise ab. Vielleicht erhält der
eine oder andere Teilnehmer des Empfangs einen Denkanstoß und
verzichtet künftig auf widerlich überhebliche Aussprüche wie den,
der einer zum Empfang eingeladenen Dame beim „Abschreiten“ der
Demonstrantenfront auf dem Weg zum Eingang des Theaters entfährt:
„Warum wollen die denn hier alt werden – die sind doch schon
steinalt!“
Andreas Conradt
BI Himbergen