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Leserbrief in "Land & Forst" vom 24.06.2004 |
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Landwirte als die Hauptbetroffenen
Die von fast allen Parteipolitikern massiv geforderte Autobahn A 39 ist
nach den offiziell-staatlichen Verkehrsuntersuchungen (VUNO 95 und 02)
absolut unsinnig. Diese "zerstörerische Nonsens-Autobahn" soll vor
allem über landwirtschaftliche Flächen hinweg gebaut werden. Die
vorgeschriebene Berücksichtigung des "Schutzguts Boden" (und seiner
natürlichen Fruchtbarkeit) lassen die A39-Planer derzeit arrogant
beiseite, um freie Planungs-Bahn zu haben (einer der ersten
gravierenden Verfahrensfehler!).
Selbst die von Landvolk, Landwirtschaftskammer und Arbeitsgemeinschaft
bäuerliche Landwirtschaft gemeinsam eingeforderte Betroffenheitsanalyse
Landwirtschaft fehlt bisher.
Die A 39 versiegelt je Kilometer Autobahn etwa 5 ha Fläche und
verschlingt außerdem weitere 5 bis 10 Hektar für Ausgleichsmaßnahmen,
Zuwegungen, Abfahrten und für Baumaschinen-Plätze. Die Folge dieser
Land-Verknappung: eine erhebliche Steigerung der regionalen
Pachtpreise.
Die zusätzliche Zerschneidungs-Wirkung führt nicht nur zum Verlust
hofnaher Flächen (hofnaher Weideflächen), zu langen Wegen und zu
teilweise unlösbaren, existenzbedrohenden Problemen mit
Beregnungsanlagen (während deren Kappung), sondern oft auch zu
Zwangs-Flurbereinigungsgemeinschaften, bei der alle Landwirte anteilig
auf einen Teil ihrer Flächen verzichten müssen.
Wer Land verliert, durch den Aufkauf im Vorwege oder unter dem Druck
einer drohenden Enteignung, der wird nur den vorher üblichen
Verkehrswert erhalten. Die passenden Ersatzflächen wird er aber wegen
der verknappten Flächenlage nicht für diesen Preis bekommen (wenn
überhaupt). Pachtflächen werden unsicher, Verpächter meiden z.T.
"unsichere" Pächter auf der Autobahntrasse.
Unsere Region hat eine gewachsene, moderne und selbstbewußte
Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die aber braucht - so eine Befragung
in den DLG-Mitteilungen - keine Autobahn, auch wenn viele Firmen
natürlich den Mitnahme-Effekt einer Gratis-Autobahn nicht ablehnen.
Wirklich brauchen wir aber eine gezielte Schließung von Lücken in der
Wertschöpfungskette und Innovationen: d.h. gezielte (!) Ansiedlung
fehlender Produkthersteller, ein kreativ-innovatives soziokulturelles
Umfeld mit Vernetzungen, Querdenkern, hochkarätigen Forschungs- und
Ausbildungsstätten, zum Beispiel ein weiter perfektioniertes und breit
angelegtes "Kartoffelnetz", außerdem den bedarfsgerechten Ausbau
vorhandener Verkehrswege.
Eckehard Niemann, Dipl.Ing.agr., Sprecher des Dachverbands von 30
Bürgerinitiativen gegen die A 39 |