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"Meine Kühe weiden auf der anderen Seite der A20" - Bauer verklagt die Deges PDF Drucken E-Mail
Quelle: http://www.OSTSEE-ZEITUNG.DE/mantel_m-v_31343730343634.phtml (Stand: 16.11.2004)

Jürgen Schlapmann aus Neuendorf bei Grimmen hat ein Problem: Die Ostseeautobahn A 20 geht durch sein Land und trennt ihn von seinen Kühen.


Foto: Maik Ehrlich
Jürgen Schlapmann macht mobil: Er fühlt sich durch die Autobahn benachteiligt.
Rostock (OZ)  Der Verkehr rollt auf dem neuen A 20-Teilstück zwischen Grimmen und Greifswald. Einer freut sich nicht darüber: Landwirt Jürgen Schlapmann (53) aus Neuendorf bei Grimmen. „Mein Land wird durch die Autobahn geteilt“, ärgert er sich. Die Trasse geht quer durch.

Nach der Wende machte der alt eingesessene Neuendorfer sich selbstständig. Kaufte einen Hof mit knapp 120 Hektar. Acker und Kuhweide. „Alles schön arrondiert“, so der Existenzgründer. „Das war mir wichtig. Weil Land, das direkt am Hof liegt, zeitsparender zu bewirtschaften ist.“ Seit die Autobahn da ist, ist es damit vorbei. „Meine Kühe weiden auf der anderen Seite der A 20.“ Früher konnte er sie zu Fuß in den Stall treiben. Jetzt fährt er kilometerlange Umwege. „Bis ich das Vieh auf den Hänger verladen habe und wieder zurück bin, sind drei Stunden vergangen.“

Eine Entschädigung gibt es für die Mehrarbeit nicht. Auch nicht für den Zaun, den Schlapmann bauen muss, damit die Tiere nicht auf die Fahrbahn laufen können. Und nicht für den Fangstand, den er braucht, um sie verladen zu können. Die Gesamtkosten beziffert der Landwirt auf rund 60 000 Euro.

Gegen die Autobahn selbst habe er ja nichts, versichert er. Ihn ärgere nur eins: „Die bundeseigene Autobahnbau-Gesellschaft Deges zahlt keinen Pfennig für meine Nachteile.“  Stimmt, bestätigt Günter Bollmann, der bei der Deges für den Bereich Grunderwerb zuständig ist. „Wir sehen keine Rechtsgrundlage.“ Geld gab es nur für vier Hektar, die zum Autobahnbau enteignet werden mussten. „Pro Hektar 7000 Mark“, sagt Schlapmann. „Aber mein wirtschaftlicher Nachteil ist doch viel größer.“

Mit seinem Trecker demonstrierte er deshalb schon auf einer Autobahnbrücke, am Hänger ein selbst gemaltes Transparent: „Deges nimmt's von den Bauern, doch der Preis ist zum Trauern!“

Bei der  Übergabe des Abschnitts vor zwei Wochen fuhr er mit dem Protest-Gespann auch auf den Hof der frisch eingeweihten Autobahnmeisterei Süderholz. Dort feierten die Politiker. Von der Polizei wurde Schlapmann rüde weggeschickt: „Aber ganz schnell! Das ist hier kein öffentliches Gelände!“ Jetzt will der Mann gegen die Deges klagen. „Dann werden wir ja sehen.“

M. STÖCKLIN
aus Ostsee Zeitung vom 16.11.04

 
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